Die Gliederung – Übersicht von Anfang an
Was hat dein Dozent beim Verfassen seines nächsten Fachartikels mit dir gemeinsam? Zu Beginn sitzt ihr beide vor einem leeren Blatt.
Jedoch sind beim Schreiben, wie bei vielen anderen Dingen im Leben auch, Erfahrung, Fachwissen und Know-how nicht zu unterschätzen. Gleichwohl beginnt niemand bei Punkt Null, du auch nicht. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Nicht allen Studierenden wurde wissenschaftliches Arbeiten beigebracht. Aus diesem Grund widmet sich dieser Ratgeberartikel dem Aufbau und der Logik einer empirischen Forschungsarbeit.
Solltest du ein Thema und eine Forschungsfrage bereits erarbeitet haben, so geht es darum, Inhalte zu suchen und zu finden, zu sondieren. Richtig, du kannst sofort inhaltlich loslegen, denn der Grundaufbau einer wissenschaftlichen Arbeit ist stets identisch. Die Kernlogik einer Bachelor- oder Masterarbeit oder Dissertation ist vergleichbar. Selbst Hausarbeiten, die nur mit Literatur gelöst werden, folgen einer deduktiven oder induktiven Logik, eben ohne Forschungsteil.
Struktur schafft Logik
Grundsätzlich gilt, dass der Theorieteil dem empirischen Teil vorangestellt wird. Denn die in deiner Forschung gestellten Fragen musst du mittels Theorie begründen. Stellst du keine konkreten Fragen für den empirischen Teil oder bildest du keine Hypothesen, so muss das Forschungsziel bzw. der Forschungsauftrag dennoch klar definiert werden. Mit diesem konkretisierst du, meist hinsichtlich der Praxisnähe, die eingangs formulierte Forschungsfrage. Philipp Mayring betont, dass die Theorie hilft, Aussagen von Interviewpartnern besser einordnen zu können und bezeichnet dies als Explikation des Materials. In quantitativen Analysen bildest du zumeist Hypothesen auf der Basis der Theorie. Selbst eine Systematische Literaturrecherche folgt dieser Kernlogik, schließlich muss auch hier erst einmal dargelegt werden, was Forschungsgegenstand und ‑ziel ist.
Die Abbildung verdeutlicht die einzelnen Bereiche, die du im Rahmen einer empirischen Arbeit leisten musst. An dieser Stelle wird stark betont, dass die Kästen gleich groß dargestellt sind, um den logischen Aufbau zu verdeutlichen. Die einzelnen Teile finden sich als logische Einheit in unterschiedlicher Länge in deiner Arbeit wieder.
Die Kapitel entsprechen nicht der Reihenfolge der Bearbeitung im Schreibprozess. Du beginnst nicht mit der Hinführung zum Thema. Lege dir am besten in Word eine Grobgliederung an und nutze dazu die Feldfunktionen. So erhältst du einen Überblick über sämtliche Kapitel und kannst bequem per Mausklick von einem Kapitel zum anderen springen. Ich rate dringend davon ab, jedes Kapitel in einem separaten Dokument zu speichern. Zu noch größeren Problemen, die inhaltlicher Natur sind, kann es führen, wenn du das Literaturverzeichnis erst am Ende anlegst. Deshalb vorab: Arbeite in einem Dokument und trage Quellen direkt ein.
Einleitung
Sofern du ein Exposé schreiben musstest und damit bereits Inhalte bekannt sind, liegt bereits eine Grobgliederung vor. Da durch das Exposé auch Fragestellung, Zielsetzung und Vorgehensweise vorliegen, kannst du mit dem Einleitungskapitel starten. Je nach Länge bildest du hier Unterkapitel. Beschreibe dann deine Vorgehensweise und ob die Arbeit deduktiv oder induktiv aufgebaut ist. Schreibe die Hinführung zum Thema (die allerersten Worte) am Ende des Schreibprozesses.
Erwartet dein Dozent kein Exposé, ist die Vorgehensweise für dich faktisch gleich: Erarbeite erst eine Zielsetzung und Fragestellung und arbeite dann erste Inhalte für die Gliederung heraus. Beschreibe danach die methodische Vorgehensweise im Einleitungskapitel. Das bringt auch dir einen Überblick zur Bearbeitungsweise.
Theorieteil
Der Theorieteil ist von nachweislichen Theorieinhalten gekennzeichnet. Hier musst du also viel zitieren und deinen Forschungsgegenstand möglichst genau beschreiben. Oft bietet der Titel deiner Arbeit sinnvolle Anhaltspunkte für Theoriekapitel. Schließlich soll zum Thema Passendes abgehandelt werden. Stelle aber keine Behauptungen ohne Quellenbelege auf.
Deine Theorieinhalte sind wichtig, um in einer qualitativen Untersuchung Interviewfragen bilden zu können. Denn in einer quantitativen Forschung bildest du später Hypothesen auf der Basis von Theorie. Je nach Dozentenwunsch findet sich die Hypothesenbildung am Ende des Theorieteils oder zu Beginn des empirischen Teils. Ebenfalls kann es sein, dass dein Dozent wünscht, dass du das Unternehmen, in dem du deine Forschung durchführen wirst, bereits im Theorieteil als Sachanalyse beschreibst.
Beachte hinsichtlich der Seitenzahl, dass Abbildungen und Tabellen im Text in aller Regel ohnehin nicht zur Erfüllung des erwarteten Seitenumfangs beitragen, da diese von der Gesamtseitenzahl abgezogen werden.
Empirischer Teil
Du solltest diesen Teil mit einer Sachanalyse einleiten, sofern dies nicht bereits im Theoriekapitel abgehandelt wurde. Jedenfalls ist es wichtig, den Forschungsort genau zu beschreiben, insbesondere dann, wenn du Handlungsempfehlungen aussprechen möchtest. Hypothesen solltest du, sofern nicht bereits am Ende des Theorieteils geschehen, ebenfalls deutlich formulieren.
Ansonsten solltest du im empirischen Teil gleich dein Forschungsdesign darlegen. Darin beschreibst du, wie du in deiner Forschung vorgehen wirst, beispielsweise wen du befragen wirst oder was du messen möchtest und wie die erhobenen Daten erfasst und ausgewertet werden. Im Forschungsdesign muss deutlich werden, wie dein empirisches Vorgehen dazu beiträgt, die eingangs aufgestellte Fragestellung beantworten zu können und welche Rolle die Hypothesen dabei einnehmen.
Danach beschreibst du den tatsächlichen Verlauf der Durchführung deiner empirischen Untersuchung. Bedenke, dass du auch in diesem Teil alles belegen musst. Beispielsweise sollten Einverständniserklärungen der Interviewpartner dem Anhang beigefügt werden. Ein Kodierleitfaden im Rahmen einer qualitativen Analyse sollte hingegen ins Kapitel eingebunden werden.
Die Auswertung (Evaluation) der Daten tätigst du ebenfalls noch im Kapitel des empirischen Teils. Beachte hierbei, dass es sich bei den ausgewerteten Daten nicht um Ergebnisse handelt, sondern um Befunde. Sollte dein Dozent erwarten, dass du zuerst nur die Befunde diskutierst, so geschieht dies hier als Unterkapitel und ohne Bezugnahme zur Theorie.
Diskussion
Die Diskussion muss stets zielführend aufgebaut sein, was bedeutet, dass du deine Forschungsfrage beantwortest. Dies ist sehr anspruchsvoll. Denn hier setzt du deine Befunde in den Kontext der Theorie, was auch als Synthese bezeichnet wird. Auf diese Weise werden Befunde zu Ergebnissen.
Im Diskussionsteil werden Informationen zielführend zusammengeführt. „Zielführend“ bedeutet, dass du auf dieser Basis ggf. Handlungsempfehlungen entwickelst. Auch das Fazit fußt in wesentlichen Teilen auf den Ergebnissen der Diskussion. Das folgende Vergleichsbeispiel eines Gesamtablaufs dient der praktischen Nachvollziehbarkeit:
Du gehst zum Arzt zur Blutentnahme (≙ quantitative Datenerhebung), später siehst du auf einem Blatt Papier deine Blutwerte (≙ Befunde). Der Arzt bringt diese Befunde mit seinem medizinischen Wissen (≙ Theorie) in Verbindung. Da der Arzt auch deine möglichen Vorerkrankungen oder dein Gewicht kennt (≙ Sachanalyse), schlussfolgert er (≙ Diskussion), dass die Werte schlecht ausgefallen sind (≙ Ergebnis). Dann rät er dir „Sie müssen mehr Sport treiben.“ (≙ Handlungsempfehlung). Du guckst verwundert und der Arzt resümiert: „Sie müssen abnehmen und mehr Sport treiben. Dann verbessern sich Ihre Blutwerte“ (≙ Fazit und Ausblick).
Du reflektierst also deine Befunde auf der Basis der Theorie. Spätestens jetzt wird deutlich, wie stichhaltig dein Theorieteil tatsächlich ist. Denn je detaillierter du einen Sachverhalt im Theorieteil beschrieben hast, desto treffender kannst du Befunde reflektieren und später Handlungsempfehlungen aussprechen.
Handlungsempfehlungen
Dieses Kapitel bringst du ein, sofern du in deiner Zielsetzung festgelegt hast, Handlungsempfehlungen zu formulieren. Je nach Fachbereich, Thema oder Forschungsgegenstand, bewegen sich Bachelor- oder Masterarbeiten stark im theoretischen Rahmen, weshalb Handlungsempfehlungen, wie im obigen Beispiel, nicht erwartet werden.
Für passgenaue Handlungsempfehlungen bringst du die Ergebnisse deiner Diskussion konkret mit der Institution in Verbindung. Der Bezug wird also zur konkreten Institution hergestellt, für die du die Handlungsempfehlungen aussprechen möchtest. Damit leistest du einen Transfer hin zur praktischen Anwendung.
Achte deshalb unbedingt darauf, dass Handlungsempfehlungen stets praktischer Natur sind und in der Realität umgesetzt werden können. Im Gegensatz zur puren Theorie, in der Sachverhalte im Mittelpunkt stehen, fokussieren Handlungsempfehlungen oftmals auch die Akteure, die sie umsetzen. In der Regel solltest du hier bereits vorhandene Prozesse, die du schon in der Sachanalyse beschrieben hast, einbeziehen. Deshalb wird häufig von einer Implementierung gesprochen oder einer praktischen Implikation.
Fazit
Im Fazit werden deine wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst. Du bringst ausdrücklich keine neuen Informationen ein. Es ist davon auszugehen, dass sich dein Dozent das Fazit auf jeden Fall aufmerksam durchlesen wird. Nicht nur an den Ergebnissen selbst, sondern auch am Schreibstil, ist hier deutlich erkennbar, wie intensiv du dich mit deinem Forschungsgegenstand und ‑auftrag auseinandergesetzt hast. Immerhin geht es wirklich um die allerwichtigsten Ergebnisse deiner Arbeit und das Fazit muss prägnant und bündig gehalten werden. Du zeigst hier, dass du in der Lage bist, eine zielführende Auswahl zu treffen.
Zugleich wird im Rahmen des Fazits häufig eine Reflexion erwartet. Hier solltest du nicht nur deine Forschungsergebnisse reflektieren, sondern auch deine Vorgehensweise und ob die Datenerhebungsmethode geeignet erschien, das Forschungsanliegen lösen zu können. Eventuell hat dein Dozent den Wunsch geäußert, dass du nicht nur das Fachliche reflektierst, sondern auch deinen persönlichen Nutzen, also deine persönliche und fachliche Weiterentwicklung. Insbesondere in Praxis- bzw. Praktikumsberichten wird dies erwartet.
Runde dein Fazit stets mit einem kurzen Absatz ab, der einen Ausblick in die Zukunft beinhaltet. Es liegt auf der Hand, dass sich die Schlussworte aus den Inhalten deiner Arbeit ergeben. Erfahrungsgemäß macht es keine gute Figur, in den Schlussworten seine persönliche Meinung unbegründet hinauszuschleudern.
Literaturverzeichnis
Dein Literaturverzeichnis listet sämtliche Quellen, die du in deiner wissenschaftlichen Arbeit verwendet hast, als Vollangabe. Dies bedeutet, dass neben den Autoren und dem Erscheinungsjahr auch der Titel des verwendeten Werkes steht und die Auflage; bei Journals zusätzlich der Name der Fachzeitschrift, in der der Text erschienen ist, der Jahrgang und der Seitenzahlbereich, in dem der jeweilige Fachartikel steht. Zudem gibst du den Erscheinungsort an, gelegentlich auch den Verlag. Im Literaturverzeichnis erscheint ausdrücklich nicht jede Quelle, die du in der Hand hattest, sondern lediglich die in deiner Arbeit zitierten. Beachte dringend, dass das Literaturverzeichnis alphabetisch geordnet sein muss. Schreibst du also im Textteil deiner Arbeit „WHO“, so muss diese Quelle auch unter „WHO“ zu finden sein, nicht unter „Weltgesundheitsorganisation“. Quellen müssen im Literaturverzeichnis buchstabengetreu so auftauchen, wie sie im Textteil als Zitatangabe angegeben sind.
Erfahrungsgemäß ist das Literaturverzeichnis sehr fehleranfällig. Quellen werden oftmals vergessen, falsch oder uneinheitlich angegeben. Insbesondere wird oftmals nicht zwischen Journalartikeln und Monographien unterschieden, bei Internetquellen wird der Aufruf des letzten Zugriffs vergessen anzugeben. Weil im Literaturverzeichnis vieles formal schiefgehen kann, solltest du auf Einheitlichkeit achten und dich an den Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten deiner Hochschule halten. Sollte dort einfach ein Verweis auf die APA7-Zitation vorzufinden sein, arbeite dich erst in die formalen Zitationsstandards ein.
Bist du dir unsicher, nutze Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi, Zotero oder die Quellen-Referenzfunktion bei Microsoft Word. Es ergibt Sinn, dass du dich bereits vor dem Schreibprozess mit der Vorgehensweise und den Möglichkeiten der Literaturangaben vertraut machst.
Anhang
Als Daumenregel gilt, dass sämtliche Informationen, die nur dem ergänzenden Verständnis deiner Arbeit dienen, in den Anhang eingebracht werden sollten. Hier ist also ein Perspektivwechsel notwendig: Sei nicht Schreibender, sondern Lesender deiner Arbeit und frage dich, ob eine Tabelle oder Abbildung tatsächlich zum Kernverständnis beiträgt. Solltest du dies verneinen, so bringe die Informationen in den Anhang ein, ansonsten in den Textteil deiner Arbeit.
Seiten im Anhang zählen nicht zum Seitenumfang deiner Arbeit. Zudem solltest du in den Vorgaben nachlesen, welche Seitennummerierung im Anhang erforderlich ist, hier gibt es die Möglichkeit, dass arabisch weitergezählt wird, römisch neu beginnt oder römisch fortgesetzt wird (vor Textteil ggf. auch römisch).
Anhänge sollten nummeriert oder mit Buchstaben versehen werden. Benenne Anhang A im Anhang und im Textteil so. Oftmals tauchen Anhänge auf, zu denen ein Verweis im Text fehlt; vermeide dies.
Für komplexere Anhänge empfiehlt sich ein Anhangsverzeichnis. Im Allgemeinen solltest du sehr lange Excel-Tabellen dem Anhang beifügen, weil sicher nicht alles dem unmittelbaren Verständnis dient.
Sind die Datenmengen zu groß, empfiehlt sich ein „Digitaler Anhang“, sprich ein USB-Stick oder eine CD mit den Dateien in gängigen Formaten (*.docx, *.xlsx, *.pdf). Erkundige dich hier frühzeitig beim Prüfungsamt, ob eine digital beigefügte Version der Abschlussarbeit, sofern überhaupt erforderlich, auf den gleichen Datenträger aufgespielt werden darf.
Unterstützung beim Aufbau
Die Erstellung einer Abschlussarbeit und vor allem die Einhaltung von Formalem ist komplex, aber folgt stets einer Logik. Diese jedoch muss erst einmal erschlossen werden. Hast du Fragen, dann kontaktiere mich gerne. Oftmals kann eine Starthilfe den notwendigen Antrieb bringen.



