Härtefall und roter Faden

Klassische Schwierigkeiten im Schreibprozess

Ein gesunder Schreibprozess verläuft dynamisch und nicht linear. Es ist bei guter Planung der Abschlussarbeit nicht gleich ein Problem, wenn du nicht jeden Tag deine vorgenommene Seitenanzahl geschrieben hast. Vielleicht hast du dafür etwas überarbeitet oder recherchiert. Manchmal jedoch, so schildern mir Studierende in Erstgesprächen, plage sie ein „mulmiges Gefühl“ und etwas drohe „aus dem Ruder zu laufen“. Ein gutes Zeitmanagement und eine gewissenhafte Vorbereitung sind der größte Garant für einen reibungslosen Schreibprozess.

Neben persönlichen Schicksalsschlägen, die einen Härtefall begründen können, werde ich oft gefragt, ob ein Härtefall geltend gemacht werden kann, wenn es mit der Bearbeitung einfach „nicht gut läuft“. Der Klassiker lautet „roter Faden verloren“, der Oberklassiker diesbezüglich ist nicht etwa, dass Inhalte fehlen, sondern wahllos Inhalte in die Arbeit eingefügt werden und der Studierende den Überblick verloren hat. Ursächlich dafür ist, dass sich von vornherein nicht vergegenwärtigt wurde, was überhaupt das Thema ist und wie dieses mittels Fragestellung inhaltlich bearbeitet werden kann und soll.

 

Den roten Faden nicht verlieren

Ein roter Faden ist die Logik jeder wissenschaftlichen Arbeit. Diese innere Gliederung garantiert, dass deine Argumentation schlüssig aufgebaut und für Leser nachvollziehbar ist, indem jedes Kapitel deiner Arbeit auf das vorherige aufbaut. Damit schaffst du einen nahtlosen Übergang zu den jeweiligen Kapiteln. Dies gilt auch für die Absätze innerhalb deiner Kapitel.

Der Anfang und das Ende des roten Fadens sind gleich: deine Forschungsfrage. Zu Beginn stellst du, am Ende beantwortest du sie. Du begleitest mit dem Aufbau deiner Arbeit die Leser bei der Beantwortung deiner Forschungsfrage und zeigst Schritt für Schritt, warum jeder Teil deiner Ausführungen dafür relevant ist.

Damit du den roten Faden nicht verlierst, solltest du, bevor du mit dem Schreiben deiner wissenschaftlichen Arbeit beginnst, ein detailliertes Inhaltsverzeichnis (Gliederung) erstellen, das nicht nur die Haupt-, sondern auch die Subkapitel umfasst. Im Idealfall planst du, welche Absätze innerhalb der Kapitel welchen Zweck erfüllen. Dies hilft dir, deine Gedanken zu strukturieren und sicherzustellen, dass alle Teile deiner Arbeit auf das übergeordnete Thema ausgerichtet sind.

Manchmal jedoch sind Themen derart abstrakt, dass während der Bearbeitung der Überblick verloren geht. Die Gefahr diesbezüglich ist erfahrungsgemäß dann am größten, wenn komplexe Forschungsgegenstände behandelt werden. Ein inhaltliches Durcheinander kann bereits dann aufkommen, wenn Quellen aus der Pädagogik unreflektiert mit anderen aus der Psychologie vermischt werden. Denn dies kann zur Folge haben, den Forschungsgegenstand nicht mehr differenziert bearbeiten zu können. Das wiederum ist nicht nur frustrierend, sondern kann besorgniserregend werden, weil sich dieses Inhaltschaos erst im Diskussionsteil offenbart. Naturgemäß führt dieser Diskussionsteil Inhalte zusammen, womit er erst gegen Ende der Bearbeitungszeit verfasst wird.

 

Deadline verlängern – der Härtefallantrag im Studium

Dein Abgabetermin rückt immer näher und du bist mit deiner wissenschaftlichen Arbeit noch nicht annähernd fertig? Wenn dir alles zu entgleiten scheint, denken viele Studierende an das Einreichen eines Härtefallantrags. Es lässt sich pauschal nicht vorhersagen, ob ein Härtefallantrag Erfolg haben wird, denn ein Härtefallantrag ist eine Einzelfallprüfung. Wichtig ist, dass du sofort nach Eintreten des Problems bzw. sofort nach Eintreten der zeitlichen Verzögerung, die Prüfungsordnung deiner Hochschule und deines Studiengangs einsiehst und die Regelungen in Erfahrung bringst. Einen Härtefall nachträglich oder gar erst nach Nichtbestehen versuchen geltend zu machen, hat in der Regel keinen Erfolg. Denn die Härtesituation, auf die sich berufen wird, muss während des Schreibprozesses vorgelegen haben; ergo muss seinerzeit bereits der Härtefallantrag gestellt werden. Die Prüfung des Härtefallantrags wird vom Prüfungsamt vorgenommen.

 

Härtefälle: Unterschiede zwischen Hochschulen

Ein Prüfungsamt ist eine Behörde, vergleichbar mit dem Einwohnermeldeamt oder der Kfz-Zulassungsstelle. Eine Behörde achtet auf die Einhaltung von Form und Fristen und ist an Regelungen gebunden. Insbesondere bieten Gesetzestexte die Grundlage für behördliches Handeln. Die Prüfungsordnung ist zwar kein Gesetzestext im strengen Sinne, kann aber als vergleichbares Schriftstück angesehen werden. Eine Prüfungsordnung wurde von der jeweiligen Hochschule erstellt und vom Wissenschaftsministerium des entsprechenden Bundeslandes genehmigt [1].

Anforderungen für Härtefälle können variieren. Zwei Beispiele:

 

HHU Düsseldorf (Philosophische Fakultät):

„Kann eine Prüfung (die eigentlich nicht wiederholbar ist) aufgrund psychischer Probleme oder anderer gravierender Probleme nicht angetreten werden, kann für diesen Ausnahmefall ein Härtefallantrag gestellt werden, sodass die Prüfung zu einem anderen Zeitpunkt wiederholt werden kann.“ [2]

 

HAW Hamburg (Bachelorstudiengang Media):

„Hat sich eine Studierende oder ein Studierender verbindlich für eine Prüfung angemeldet oder hält die oder der Studierende die Bearbeitungszeit für die Prüfung nicht ein oder erscheint nicht rechtzeitig zum Prüfungstermin (Versäumnis), wird die Prüfungsleistung mit der Note ‚nicht ausreichend‘ (5,0), die Studienleistung mit ‚nicht bestanden‘ bewertet, es sei denn, die oder der Studierende hat die Bearbeitungszeit bzw. den Prüfungstermin ohne ihr oder sein Verschulden nicht eingehalten bzw. versäumt. […]“ [3]

Zur Bearbeitung der Thesis heißt es u.a.:

„In Härtefällen kann eine Unterbrechung vom Prüfungsausschuss genehmigt werden.“ [3]

Bei einer strengen Auslegung des Wortlauts der Prüfungsordnungen wird ersichtlich, dass im ersten Beispiel psychische Probleme benannt sind sowie gravierende Probleme. Damit sind psychische Probleme auf jeden Fall als Grund anerkannt. Im HAW-Beispiel steht kein konkreter Grund. Es wird deutlich, dass Auslegungsspielraum besteht – übrigens auch bei der HHU, denn hier lässt sich wegen „anderer gravierender Probleme“ ein Härtefallantrag stellen. Wichtig ist, dass du nicht wartest und Zeit verstreichen lässt. Übrigens: Jedem Härtefallantrag sind Nachweise beizufügen.

 

Unfall auf dem Weg zur Prüfung: Kein Härtefall?

Mir ist ein Fall bekannt, in dem eine Studentin auf dem Weg zur mündlichen Prüfung mit ihrem Auto verunglückte und deshalb zu spät an der Universität ankam. Sie schilderte, dass die Straße glatt gewesen und sie deshalb in den Straßengraben gerutscht sei. Ihr Auto sei nun Schrott, der Abschleppdienst und die Polizei kamen zum Unfallort. Entsprechende Bescheinigungen konnte die Studentin vorlegen. Das Prüfungsamt lehnte eine Wiederholungsprüfung ab und zitierte die Prüfungsordnung. Darin stand, dass eine Leistung als „nicht bestanden“ bewertet wird „bei Gründen, die der Prüfling selbst zu verschulden hat“. Da die Studentin mit ihrem Fahrzeug selbst in den Graben gerutscht ist, steht sie jetzt als doppelt Gelackmeierte da. Wäre ihr einer reingefahren, so würde dies als Grund zählen, den sie nicht zu verschulden hat. Natürlich durfte die Studentin im geschilderten Fall ihren Zweitversuch antreten.

 

Abgabefrist verschieben: Geht das bei Krankheit?

Auch solltest du in der Prüfungsordnung nachlesen, ob eine Verlängerung der Bearbeitungszeit wegen Krankheit möglich ist. Psychische Leiden gelten, sofern ärztlich attestiert, als Krankheit. Damit ist es im Einzelfall vielleicht zwar rechtlich zulässig, durch ein Attest die Abgabefrist um eine Woche zu verlängern. Reichst du dann noch ein Attest nach, verschiebt sich der Abgabetermin erneut. Bist du mit der Bearbeitung deiner Bachelor- oder Masterarbeit dann immer noch nicht fertig, kannst du dich eventuell wieder für einige Tage krankschreiben lassen. Und nochmal und nochmal bis zur endgültigen Abgabefrist.

Juristisch mag dies in Einzelfällen möglich sein. Doch neben diesem ganzen bürokratischen Zirkus darfst du nicht vergessen, dass im Prüfungsamt Menschen arbeiten, die womöglich jedes Mal deinen Erst- und Zweitprüfer benachrichtigen, dass sich die Einreichung deiner Arbeit verschieben wird. Dein Dozent denkt sich als Mensch ebenfalls seinen Teil. Deshalb ist ein Attest mitten in der Bearbeitungszeit tendenziell glaubwürdiger als drei zusammengestückelte Verlängerungen am Ende. Insbesondere im Hinblick auf die Geltendmachung eines Härtefalls solltest du unmittelbar nach Bekanntwerden handeln. Ansprechpartner ist das Prüfungsamt, Grundlage die Prüfungsordnung.

 

Beratung statt Härtefall: Dein Weg zur erfolgreichen Arbeit

Deine Bearbeitungszeit ist wertvoll. Wenn du nicht mehr weiterweißt und bei deiner Haus- oder Abschlussarbeit Hilfe benötigst, kannst du von meiner wissenschaftlichen Beratung profitieren. Ich helfe dir, deine Arbeit sinnvoll und logisch zu gestalten, damit weder vor noch im Schreibprozess Schreibblockaden auftreten oder Unmut hochkommt. Damit biete ich dir maßgeschneiderte Hilfe an. Selbst wenn du kurz vor Abgabe auf mich zukommst, ist dies deinerseits deutlich lösungsorientierter, als Zeit verstreichen zu lassen und auf die Anerkennung eines Härtefalls zu pokern.

 

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[1] https://www.das-richtige-studieren.de/vor-dem-studium/uni-wiki/pruefungsordnung/ [21.11.2024]
[2] https://www.philo.hhu.de/fileadmin/redaktion/Fakultaeten/Philosophische_Fakultaet/PhilFak_Studium_ABC_220705.pdf [21.11.2024]
[3] https://www.haw-hamburg.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=9153&token=ddabfe61dc111d48d15e1b928ba20b5d11c848de&download= [21.11.2024]

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Auch wenn die Zeit drängt: In jeder Phase deiner Bearbeitung unterstütze ich dich mit Feedback oder einem Schreibcoaching.

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