Von der Idee zum Werk: Was Komponieren und wissenschaftliches Arbeiten gemeinsam haben

Parallelen der Künste

In diesem Ratgeberartikel erfährst du anhand zahlreicher Beispiele, wie du beim Verfassen deiner Seminar-, Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit wissenschaftliche Grundsätze beachtest. Dabei wird verdeutlicht, warum Logik, Einheitlichkeit und Regelbeachtung die Kernanforderungen beim Verfassen eines Werkes sind. Zur Veranschaulichung wird hier ein Musikstück, das ich vor Jahren komponierte, als Vergleich herangezogen.

Klangbeispiele demonstrieren komplexe Sachverhalte.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Ein Transfer zum wissenschaftlichen Arbeiten erfolgt in einem blauen Kasten – wie diesem hier. Möchtest du Zeit sparen, lies nur diese.

Es entspricht meiner tiefen Überzeugung, dass ein guter wissenschaftlicher Text – analog zu einem guten Musikstück – ein Kunstwerk ist. Denn Kunst wird als erlernbares Handwerk beschrieben, auch als eine Fertigkeit oder eine Wissenschaft [1]. Interessant ist, dass Komposition wiederum als eine „nach bestimmten Gesichtspunkten erfolgte kunstvolle Gestaltung, Zusammenstellung“ [2] verstanden wird und den Kunstbegriff damit aufgreift.

Mit 16 Jahren komponierte und textierte ich mein erstes Lied, 2001 gewann ich Jugend komponiert (Rheinland-Pfalz/Saarland). Ich bearbeitete Kompositionsaufträge, u. a. von etm-medienbüro, komponierte und textierte die Schulhymne für die Julius-Wegeler-Schule (Koblenz), gab Konzerte mit Eigenkompositionen (u. a. 2012: „Rain of Chernobyl“, 2013 „Europa – von Dimensionen zu Emotionen“ und weitere). 2017 bis 2022 war ich als Musikdozent in der KEB Mainz tätig. Meine beiden Liederbücher und weitere meiner Werke finden sich in der rheinland-pfälzischen Landesbibliothek.

Zusammenschnitt von Lorenz Schlösser: er als Dozent, eines seiner Werke, eine Urkunde, eine Spende nach einem Konzert, ein Auftritt.

„Zum Lieben auserlesen“ komponierte und textierte ich 2018 und überarbeitete es Anfang 2026. Mein Schaffen eignet sich hervorragend, um die Parallelen zum wissenschaftlichen Arbeiten herauszustellen. In den folgenden Kapiteln besteht damit die Möglichkeit, einem Komponisten – und wissenschaftlichen Berater – über die Schulter zu schauen, denn er lässt dich an seiner Gedankenwelt teilhaben. Der Aufbau dieses Artikels orientiert sich deshalb am Kompositionsprozess.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Sei dir darüber bewusst, dass du mit deinem Studium den Grundstein für dein Berufsleben legst. Biographien sind individuell. Sei stolz auf dein Erreichtes und gehe zielstrebig vor. Selbst wenn noch so viele Herausforderungen vor dir liegen mögen: Sei dir bewusst, dass du nicht für ein Stück Papier lernst, sondern für die Möglichkeit, deine berufliche Tätigkeit nach deinen Interessen auszurichten und dein Leben gestalten zu können. Diese Gedanken motivieren.

Die Idee (Themenfindung)

Die Inspiration

Die Inspiration zu meiner Komposition hatte ich selbst. Ich habe nicht Beethoven, Mozart oder die Komposition meines Nachbarn (der sicher behaupten würde, seine wäre genial) als Vorlage herangezogen. Es liegt auf der Hand, dass es zu meinem erwählten Thema „Frieden“ schon unzählige Ideen und fertige Werke gibt. Dennoch soll meine Idee etwas Eigenes sein.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Suche nicht nach einem Thema, über das noch nie jemand nachgedacht hat, um darauf die Einmaligkeit deiner Arbeit zu gründen. Entscheidender ist, dass du Bekanntes nutzt, d. h., dass du auf der Grundlage von aktueller Fachliteratur eigene Gedanken entwickelst: eine eigene Fragestellung, eine eigene Struktur und eine eigene Schwerpunktsetzung. Die Arbeit eines Kommilitonen als Vorlage nutzen – selbst dann, wenn sie angeblich genial ist oder super bewertet wurde – ist in aller Regel kontraproduktiv. Neben der Plagiatsgefahr besteht das Risiko, dass auch der rote Faden übernommen wird und die eigene Idee untergeht. Dies steht im Gegensatz zur erwünschten eigenen Entfaltung und verhindert fachliche sowie persönliche Entwicklung.

Die Einarbeitung

Viele Künstler äußern, Ideen kämen ihnen „einfach so“. Sicher schwirren auch in meinem Kopf unzählige Gedanken und hin und wieder ist eine Melodie bzw. ein kleines Motiv dabei, das sich lohnt, weiter fortzuspinnen und dann aufzuschreiben. Die wirklich guten Ideen kommen mir jedoch in Situationen, die bereits thematisch aufgeladen sind, wie z. B. beim Lesen über ein bestimmtes Thema. „Das soll meine nächste künstlerische Auseinandersetzung sein!“, wird mir schlagartig bewusst und erst dann fallen mir thematisch passende Ideen ein – zu Melodie und Text. Das notiere ich gerne direkt in der freien Natur, spiele es zu Hause auf meinem Clavinova und nehme vielleicht Änderungen vor.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Auch ein Bachelorthema kommt selten „einfach so“. Einarbeitung in einen Themenbereich ist dazu essenziell, erst daraus erwächst Inspiration. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung geschieht folglich themenbezogen und nicht im freien Raum. Du solltest dich selbst fragen, wo deine Interessen liegen, denn insbesondere die Bachelor- oder Masterarbeit wird dich wochen- oder gar monatelang begleiten. Arbeite dich deshalb in ein für dich interessantes Fachgebiet ein, nimm Vorlesungs- und Seminarinhalte zur Hand und verfeinere deine Ideen auf der Basis von Fachliteratur.

Lorenz Schlösser komponiert am Rhein und zu Hause am Clavinova.

Eine Zielsetzung finden

Mir kamen viele Ideen, die das Friedensthema mit sich bringt. Wer häufiger künstlerisch tätig ist, den reizt nicht nur eine theoretisch formulierte Zielsetzung, sondern auch die Umsetzung, womit der Kunstschaffende auf mehreren gedanklichen Ebenen Ziele setzen kann.

Ich legte fest: „Ziel des Liedes ist es, Menschen zum friedlichen Handeln zu motivieren.“

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Im wissenschaftlichen Kontext dient die Zielsetzung dazu, das angestrebte Erkenntnisziel klar zu definieren. Eine freie Gestaltung kann im wissenschaftlichen Arbeiten damit nicht losgelöst von Regeln erfolgen. Exemplarisch seien hier Zitationsregeln, aber auch Formvorgaben genannt. Da aber Form und Inhalt oftmals miteinander korrespondieren, wird hier deutlich: Zielsetzung und Methodik greifen ineinander über.

Deshalb ist Vorsicht geboten, denn manchen Themen scheint ihre Zielsetzung inhärent: Beispielsweise verleitet das Thema Mitarbeitermotivation dazu zu meinen, Ziel wäre die Überprüfung der Motivation von Mitarbeitern. Klingt zu einfach, ist es auch. Die wahre Zielsetzung könnte beispielsweise darin bestehen, begründete Handlungsempfehlungen für ein bestimmtes Unternehmen zu entwickeln, damit Mitarbeiter zufrieden bleiben etc. Die eigentliche Motivationsüberprüfung wäre also eine methodische Aufgabe, woraus erst Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.

Die Planung

Zielsetzung beachten

Bei der Planung griff ich auf meine Zielsetzung zurück und verfeinerte zuerst einmal die anvisierten Ziele. Damit dachte ich nicht nur immanent, sondern formulierte weiterführende, praktische Absichten. So stellte ich konkrete Fragen auf (Auswahl):

  • Durch welchen Ausdruck soll das Lied den Appell nach Frieden vermitteln?
  • In welcher Form sollen die Strophen angelegt sein?
  • Welche Möglichkeiten sollen die praktische Aufführbarkeit des Liedes gewährleisten?
  • Welche Verknüpfungsmerkmale von Text und Musik können eingebracht werden?

Es fällt auf, dass diese Ziele nicht mehr nur als übergeordnete Zielvorstellung gelten, sondern methodisch gefärbt sind. Das ist nur logisch, denn es handelt sich um Zwischenschritte zur Gesamtzielerreichung.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Wenn du dir bei deiner Hausarbeit demnächst die Frage stellst: „Wie fange ich an?“ oder „Wie plane ich am besten?“, dann denk an deine Zielsetzung. Lege Zwischenschritte fest, die dir helfen, deine Gedanken zu strukturieren.

Subforschungsfragen sind demnach einzelne Treppenstufen, um dein Gesamtziel zu erreichen. Jede Unterfrage strukturiert also deine Arbeit, deine Arbeitsweise und noch dazu deine Inhalte. Deshalb empfehle ich dringend, die Unterfragen bereits literaturbasiert zu entwickeln. Durch diese Herangehensweise kannst du noch exakter inhaltlich abgrenzen und es wird umso deutlicher, was zum Thema gehört und was nicht.

Methodische Planung

Meine Zwischenschritte erreichte ich wie folgt:

  • Appell nach Frieden vermitteln: Ich arbeitete mich mittels Fachliteratur ins Thema ein und recherchierte belastbare Zahlen zum Thema Krieg. Schon jetzt war mir klar, dass ich ergänzend in der Partitur anmerken muss: „Datenmaterial aktualisieren“.
  • Strophenform: Struktur durch 16-Takte-Schema; Grundtonart Moll, der Refrain als Gegensatz dazu in Dur; Schluss in Dur; vor dem Lied eine Hinführung (Introduktion).
  • Aufführbarkeit: Umsetzung mittels vierstimmigen Chors (Sopran, Alt, Tenor, Bass); Begleitung durch bekannte und gut miteinander harmonierende Instrumente (Klavier, Violine [oder Querflöte?], Sologesang [Duett?]).
  • Verknüpfungsmerkmale: Düsterer Text zum Moll-Teil (Strophe), hoffnungsfroher Text zum Dur-Teil (Refrain); zur Abwechslung Frauen- und Männerstimme in der Strophe (2 × 16 Takte –Wechselgesang ggf. auch kleingliedriger); fulminantes Ende durch Tutti; Hoffnungsfreude durch Dur-Schlussakkord.

Damit waren im Hinblick auf die Liedstruktur, aber auch hinsichtlich der Umsetzung, die Bearbeitungsschritte klar. Da Kompositionstechnik sich durch das Variieren von Motiven auszeichnet, stand fest, dass nicht stur von ‚vorne nach hinten‘ komponiert wird, sondern System eingebracht werden muss. Die Planungen waren damit so gehalten, dass Raum für Konkretisierungen bestand.

Darstellung von Noten, wie musikalische Motive sich ähneln.
Klangbeispiel 1: Ähnliche Motive

Zum Lieben auserlesen, Hauptthemen

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Wissenschaftliches Arbeiten ist qualitativ, quantitativ und mit kombinierten Forschungsdesigns möglich. Je nach Fachrichtung sind auch reine Literaturarbeiten, systematische Literaturarbeiten oder theoretisch-konzeptionelle Arbeiten möglich. Die methodische Planung ist überdies eine inhaltlich-fachliche Auseinandersetzung mit einem Sujet.

  • Vorgehensweise: Es ist wahrscheinlich, dass du eine vertiefende Literaturrecherche tätigen musst. Schreibe bereits während der Einarbeitungsphase Zitate, die du benötigen könntest (insbesondere zu Begriffsdefinitionen), samt Quellenangaben heraus oder trage sie direkt ins Kapitel ein.
  • Kapitelstruktur: Die Gliederung ist deine orientierende Grundform. Solltest du bei der tieferen Einarbeitung bzw. Bearbeitung weitere Inhalte finden, ergänze die Kapitel und verfeinere deine Struktur.
  • Realisierbarkeit: Beachte, dass deine empirische Untersuchung real umsetzbar sein muss. Wie bei Instrumenten der Tonumfang begrenzt, können in praktischer Hinsicht beispielsweise Feiertage und Ferien Möglichkeiten zur persönlichen Befragung begrenzen. Außerdem muss die Forschungsmethode geeignet sein, dein Forschungsziel zu erreichen.
  • Komplexität: Beachte, dass eine strukturierte Vorgehensweise Komplexität vermindert. Lege dir eine Mindmap an oder visualisiere Verknüpfungen auf einer Pinnwand.

Das Ziel kannst du nur schrittweise erreichen. Je exakter die Planung in inhaltlicher sowie organisatorischer Hinsicht, desto besser wird dein Werk werden. Außerdem wirst du schneller vorankommen, weil eine gute Planung verhindert, dass du am Thema vorbei schreibst und später seitenweise löschen musst.

Theorieteil: Die Umsetzung (Erarbeitungsphase)

Persönliche Voraussetzungen

Mein musiktheoretisches Handwerk habe ich mir selbst über „Lemacher/Schröder“ angeeignet („Harmonielehre“ [3], „Lehre des Kontrapunktes“ [4]. Beide Werke sind äußerst theorielastig und spätestens aus heutiger Sicht altmodisch. Nichtsdestotrotz haben sich die Grundsätze des Basiswissens der Musiktheorie nicht verändert.

Zwei Bücher von Lemacher/Schroeder: "Lehrbuch des Kontrapunktes" und "Harmonielehre".

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Viele Dozenten erwarten, dass du dir das wissenschaftliche Arbeiten selbst aneignest. Dazu wird konstatiert: „Wer Fachtexte liest, wächst da rein.“ Aber das stimmt nicht. Wer Musik hört, erlernt dadurch nicht das Komponieren. Fachinhalte und -kenntnisse sollten demnach gezielt vermittelt werden; autodidaktische Fähigkeiten können ergänzend helfen. Such also Unterstützung, wenn du sie benötigst.

Arbeite stets mit aktueller Literatur und nutze in deiner Arbeit am besten die neueste Ausgabe.

Kompositionstechnisch wird deutlich, dass ich nicht bloß in aneinandergereihten Akkorden (vertikal), sondern in Linien/Stimmführung (horizontal) gedacht habe. Damit geht nicht nur ein einfaches stufentheoretisches, sondern ein funktionales Verständnis von Musik und Komposition einher. Dieses hat sich bei mir durch stetige Übung entwickelt. Persönliches Interesse motivierte mich.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Erwarte – insbesondere beim Studienstart – nicht das Maximum, aber gib dein Bestes. Ständige Einarbeitung, Überarbeitung und Reflexion sind wesentliche Faktoren, um wissenschaftliches Arbeiten zu vertiefen. Das Verstehen des Aufbaus und der Strukturen von Fachtexten wird erst peu à peu deutlich. Richtiges Zitieren, Paraphrasieren, aber auch das richtige Manövrieren in einer Wissenschaftssprache sind grundlegende Fähigkeiten. Zudem ist das Verstehen dieses Regelwerks nachhaltiger als die sture Umsetzung der Erwartungen deines Leitfadens. Dein wissenschaftliches Verständnis und Denken reifen erst durch Übung. Deine persönlichen Interessen sollten daher dein Antrieb für ein erfolgreiches Studium sein.

Beim Komponieren griff ich auf mein Wissen und meine Erfahrung zurück. Ich habe nirgends nachgefragt, ob dieser oder jener Ton besser passt oder mich in einer Musikschule erkundigt, was spielbar ist und was nicht. Pures Sachwissen, wie beispielsweise jenes über die Tonumfänge der Instrumente, ist mir seit Jahren bekannt und ich habe mir dieses in Fachbüchern – bzw. später auch durch Online-Recherchen – eigentätig angeeignet.

Die persönlichen Voraussetzungen bilden für Kunstschaffende die Basis Ihres Wirkens, weil sich handwerkliche Fähigkeiten auf der Basis ihrer Interessenlage entwickeln. Das macht nicht nur das einzelne Werk so besonders, sondern auch seine Entstehung.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Planst du deine Master- oder Bachelorarbeit, solltest du ebenfalls ein Thema wählen, das dich interessiert. Dein Dozent könnte es als taktlos empfinden, wenn du ihn nach Ideen fragst, denn durch Inhalte aus Vorlesungen und Seminaren solltest du in Eigenregie deinen Schwerpunkt gewählt bzw. erarbeitet haben. Den Dozenten kannst du auf dieser Basis fragen, ob er veränderte oder weitere Theoriekapitel erwartet oder ob deine gewählte Methodik sinnvoll ist.

Ausgangspunkt deiner Themenfindung sind also bestenfalls deine Interessen und Kenntnisse. Damit setzen sämtliche Planungen bei dir selbst an. Versuche im Bearbeitungsprozess, den Kontakt zu deinem Betreuer auf Inhalte und auf das Wesentliche zu beschränken und ihn nicht zu Sachverhalten zu fragen, die du im Leitfaden nachlesen könntest. Eigene Recherche, selbstständiges Arbeiten und das Entwickeln von Problemlösekompetenzen sind grundlegende Fähigkeiten, die durch wissenschaftliches Arbeiten gefördert werden sollen.

Einordnung und Form

Meine Musik in Anlehnung an bekannte Formen zählt zur europäischen Musiktradition, womit eine historisch-kulturelle Einordnung getätigt ist.

Da das Lied in Refrain und Strophe gegliedert ist, liegt eine Liedform vor. Da die Strophen sich im Hinblick auf die Begleitung nicht wiederholen sollen, handelt es sich um ein „variiertes Strophenlied“ [5].

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Eine wissenschaftliche Arbeit, insbesondere eine Abschlussarbeit, sollte hinsichtlich ihrer ‚universitär-kulturellen‘ Bedeutung ebenfalls korrekt eingeordnet werden. Je nach Studienort und Studiengang variieren die Anzahl der Vorleistungen, der vorgegebene Seitenumfang und weitere Erwartungen werden gegebenenfalls individuell vom Dozenten definiert. Erkundige dich rechtzeitig.

Das formale Leitschema lautet für die meisten empirischen Arbeiten: Theorie und Empirie sind voneinander getrennt. Der genaue Aufbau deiner Arbeit richtet sich nach deinem Fach, der gewählten Methode und den Vorgaben im Leitfaden. Inhaltlich will der Untersuchungsgegenstand zudem fachlich korrekt eingeordnet sein.

Mir fiel beim Komponieren bzw. Textieren ein, den Begriff „Mensch“ musikalisch zu akzentuieren und stets mit einem Dur-Akkord zu begleiten, wenn auch nicht immer in reinem Dur-Dreiklang. (T. 31 „Menschlichkeit“ [A7/cis]; T. 53 „Mensch“ [Es]; T. 137 „Mensch“ [E]). Das Wort „Mensch“ soll eine spezifische Funktion einnehmen und als Typus für die „Menschheit“ sowie als Einzelperson stehen, aber später den Rezipienten ansprechen und dadurch personalisiert werden.

Damit hatte ich die Zielsetzung im Blick und habe durch das bewusste Einbringen von Effekten gezielte Wirkungen erzeugt.

Musikalische Umsetzung des Wortes "Mensch" mit Dur-Akkorden.
Klangbeispiel 2: „Mensch“ erklingt stets in Dur

Zum Lieben auserlesen, T. 31–32; 53; 137; 172–176

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

In einer wissenschaftlichen Arbeit sind Mehrdeutigkeit und unklare Begriffe problematisch. Es muss eindeutig sein, ob du beispielsweise mit dem Begriff „Schule“ das Gebäude oder das Schulsystem meinst.

Allerdings verschmelzen in einer wissenschaftlichen Arbeit ebenfalls Form und Inhalt. Am deutlichsten wird dies beim Zitieren. Denn zitierst oder paraphrasierst du unsauber, kann nicht nur ein Formfehler vorliegen, sondern auch ein handfester inhaltlicher Mangel.

Wissenschaftliches Arbeiten ist als Gestaltungsprozess damit mehr als Formbefolgung. Es ist die Kunst, aus Ideen, Regeln, Material und Entscheidungen ein stimmiges Ganzes zu formen.

Arbeitsweise und Realisierbarkeit

Gelegentlich steht ein Komponist vor der Entscheidung, welches Instrument tatsächlich melodieführend ist, oder vereinfacht: „Was begleitet was?“ In „Zum Lieben auserlesen“ ist es einfach: Das Klavier begleitet eingangs und im Zwischenspiel die Violine, das Klavier begleitet auch den Strophengesang und dann den vierstimmigen Chor. Selbst Musiklaien wissen, dass ein Chor nicht dazu dient, ein Klavier zu begleiten. Daneben gilt die Logik: Das gesprochene oder gesungene Wort steht im Vordergrund; Musik stützt den Text.

Partiturausschnitt, in dem deutlich wird, dass der Chor von einem Klavier begleitet wird.
Klangbeispiel 3: Wirkung einer Klavierbegleitung

Zum Lieben auserlesen, T. 51–56

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Beim wissenschaftlichen Arbeiten gilt sinngemäß die gleiche Logik: Zitate stützen den Text. Wer also auf Gutdünken losschreibt und danach erst Quellen sucht, stellt die Stützen insgeheim andersherum auf. Oft vermögen die nachträglich gefundenen Zitate die Last der eigenen Behauptungen nicht mehr zu tragen. Besonders deutlich wird dies, wenn erst nach einer Befragung Theorie gesucht wird, um ganze Interviewleitfäden rückwirkend zu stützen, oder nachträglich Literatur oder ein normierter Test gefunden werden muss, um Items in quantitativen Fragebögen begründen zu können.

Eine künstlerische Umsetzung orientiert sich am Machbaren. Der Künstler mag von seiner Gedankenwelt geleitet sein, ist aber im Resultat den Möglichkeiten der Realwelt unterworfen. Bei der Komposition bin ich daher – sofern mein Werk real aufgeführt werden soll – beispielsweise an die Tonumfänge der Instrumente gebunden.

Wenn ich komponiere, gibt es – mit Ausnahme von Auftragskompositionen und Wettbewerben – keine Deadline.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Sicherlich hast auch du viele Ideen im Kopf, alle sind wertvoll. Wichtig ist, dass du während der Erarbeitung die Realität im Blick behältst. Es kann mitunter unrealistisch sein, gewisse Datensätze von Institutionen oder Unternehmen zu erhalten. Sofern du dies weißt, gestalte deine Arbeit so, dass du Unüberwindbares gar nicht erst einplanst. Bist du dir unsicher, solltest du von vornherein den Rahmen des Möglichen abklären, um nicht während der Bearbeitungsphase ins Stocken zu geraten.
Hast du einen festen Abgabetermin, benötigst du ein klares Zeitmanagement.

Handwerkliche Fähigkeiten

Als eine meiner wichtigsten Fähigkeiten schätze ich das Behalten des Überblicks. Auch wenn oftmals zahlreiche musikalische Möglichkeiten bestehen, ist es unerlässlich, sich begründet zu entscheiden.

Takt 56 (bzw. schon Takt 55) hätte ich als Dominantseptakkord ausgestalten können. Der Alt hätte in diesem Takt dann durchgängig es‘ gesungen (siehe 1. Alternative). Allerdings wäre zur korrekten Auflösung – selbst dann, wenn nur der letzte Ton ein es‘ wäre (siehe 2. Alternative) – im Alt die Führung in ein d‘ als Terzton von B-Dur vonnöten gewesen. Damit hätte im Folgetakt mindestens die Akkordlage verändert werden müssen. Ich hielt es außerdem nicht für sinnig, die Septime in den Tenor zu verlagern, da das es‘‘ dort Spitzenton gewesen wäre; zudem hätte das c‘ im F-Dur-Akkord gefehlt (siehe 3. Alternative). Damit Chorgesang ‚voll‘ klingt, sollte jeder Akkordton gesungen werden.

Drei Möglichkeiten einer denkbaren Ausgestaltung im Rahmen eines Dominatseptakkords.
Klangbeispiel 4: Möglicher Dominantseptakkord

Zum Lieben auserlesen, T. 55–58

Im Übrigen entspricht es meiner Philosophie, dass eine klare und erwartbare Melodieführung angemessener ist als unnütz aufgesetzte Komplexität. Dennoch zeigt sich Komplexität hier rhythmisch: Während die erste Refrainhälfte aus zwei Takten Es-Dur und zwei Takten F-Dur besteht, besteht die zweite Refrainhälfte aus unterschiedlichen Akkorden
(BD/A [D/Fis] – G4 [3]G/F).

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Intensives Nachdenken kann sinnvoll sein, aber die Haltung, sich nicht festlegen zu wollen, würde zur Lähmung führen. Inhaltliche Planung und Zeitmanagement gehen daher Hand in Hand.

Diesbezüglich ist die Fähigkeit, den Überblick zu bewahren und sich verständlich auszudrücken, eine Kompetenz, die nicht nur in der Hochschule, sondern im Leben allgemein erwartet wird: Berichte wollen strukturiert und verständlich sein, in Homepagetexten sollten Überschriften hierarchisch korrekt gesetzt werden. Bei Briefen steht der Name des Empfängers über seiner Adresse und selbst der Einkaufszettel sollte geordnet sein, um nicht unnütz im Supermarkt umherzulaufen.

Ordne Informationen beim wissenschaftlichen Schreiben verbindlich ein: Theorie dient der Darlegung von Fakten, Argumente dienen der Beantwortung der Forschungsfrage.

Zwar sind Quint- und Oktavparallelen in der klassischen Musik verpönt, dennoch habe ich bewusst Quintparallelen eingebracht und klassische Regeln gebrochen. Meinem Stil entspricht es, reine klassische Muster und Harmonieschemata zu durchbrechen, auch um nicht als Epigone zu gelten.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Dein Wissen und deine Erfahrung sind deine größten Ressourcen. Regelbrüche, wie sie gelegentlich in der Kunst getätigt werden, sind nicht erwünscht. Halte dich an die Regeln und führe Inhalte durch eigene Erkenntnisse fort. Kopiere nichts, nutze keine Vorlagen, beauftrage keinen Ghostwriter und nutze KI reflektiert. So verringerst du das Risiko, des Plagiats beschuldigt zu werden.

Ein Beispiel für handwerkliche Fähigkeiten ist der Tonartwechsel von g-Moll zu gis-Moll. Hier liegt keine Rückung [6] im engen Sinne vor, sondern eine enharmonische Neudeutung (Es-Dur wird als Dis-Dur gedeutet [3] [7]. Dies erfolgt über eine enharmonisch vorbereitete Rückung, womit eine Überleitung auf die Zieltonart gis-Moll geschieht. Aus diesem Grund habe ich den Dis-Dur-Akkord noch mit separaten Vorzeichen notiert und den eigentlichen Tonartwechsel erst vor den gis-Moll-Akkord gesetzt. Wenngleich der werkschließende gis-Moll-Abschnitt mit fünf Kreuzen unübersichtlich erscheint (scherzhaft auch als „Friedhofstonart“ bezeichnet), ist dies musiktheoretisch konsequent.

Partiturausschnitt zum Übergang in den Refrain, der einen Halbton höher steht.
Klangbeispiel 5: Übergang in den Refrain (Halbton höher)

Zum Lieben auserlesen, T. 133–138

Die strahlende Wirkung des um einen Halbton nach oben versetzten Refrains (Es-Dur wird zu E-Dur [vgl. T. 53 f. mit T. 137 f.]) ist enorm. Die Veränderung des Textes („Der Mensch sei nur ein gutes Wesen […]“) hin zu einer persönlichen Ansprache („Als Mensch bist du ein gutes Wesen, […]“) akzentuiert zusätzlich die Bedeutung und erfüllt definierte Ziele.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Die Einarbeitung in Fachtexte sowie das richtige Verstehen von Inhalten sind Ansprüche, die durch Übung gefördert werden können. Richtiges Zitieren ist ebenfalls Handwerk und die sich daraus ergebende Komplexität (z. B. durch zitiert-nach-Zitate) erscheint erst dann logisch, wenn Zitation nicht isoliert als stures Belegen wahrgenommen wird, sondern als übergeordnetes System.

Nutze dabei die Macht der Zitate, indem du Sachverhalte schrittweise und geordnet darbringst. Eine wüste Aneinanderreihung wenig zielführender Zitate führt leider nicht zu einem fulminanten Finale, sondern zu einer harmoniebedürftigen Sondierung von Inhalten.

Eine weitere Text-Akzentuierung nahm ich in den Schlusstakten vor, indem ich das Wort „deine“ („Frieden durch Liebe ist deine Menschenpflicht“) durch ein dis‘‘ hervorhob. Damit ist dieser Ton der höchste des letzten Finalabschnitts und bringt damit einen starken Betonungseffekt mit sich.

Das Finale der Komposition mit dem höchsten gesungenen Ton.
Klangbeispiel 6: „deine“ als Finalspitze

Zum Lieben auserlesen, T. 169–176

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

In jedem Text sollten Fett- und Kursivschreibweise mit Bedacht und äußerst sparsam verwendet werden. Bedenke, dass ein Effekt nicht von seiner Häufigkeit des Einsatzes, sondern von seiner Einmaligkeit lebt. Gelegentlich können – wenn überhaupt – Zwischenüberschriften unterstrichen werden. Der übermäßige Einsatz von Effekten lenkt von Kernaussagen ab und stört den Lesefluss.

Der strahlende Dur-Schlussakkord (Gis-Dur) ist kein Indiz für die Modulation in eine Dur-Tonart, sondern die picardische Terz, die aufhellend klingt [8] – passend zum gesungenen Wort „Menschenpflicht“ als inhaltliche Conclusio („Frieden durch Liebe ist deine Menschenpflicht“).

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

In deiner wissenschaftlichen Arbeit solltest du nach einer Zusammenfassung im Fazit mit einem treffenden Ausblick schließen. In aller Regel macht es eine gute Figur, positiv in die Zukunft zu schauen. Das zeigt ein größeres Verständnis für Handlungsoptionen als Schwarzmalerei.

In meiner Komposition habe ich neben der reinen Notennotation auch Fachbegriffe zur Umsetzung eingebracht, z. B. „Attacca“ (Introduktion, T. 20), was „ohne Pause den nächsten Satz spielen“ bedeutet – so die Fachsprache. Ich hätte auch „ohne Pause weiter“ etc. an die Stelle schreiben können, allerdings hätte dies nicht dem musikalischen Usus entsprochen.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Nutze Fachsprache in deiner wissenschaftlichen Arbeit und umgehe lange Beschreibungen. Als Beispiel sei hier die Aufwertung innerstädtischer Quartiere genannt, häufig verbunden mit steigenden Mieten und Verdrängung einkommensschwächerer Gruppen, was zu sozialen Problemen führt. Das Wort „Gentrifizierung“ beschreibt diesen Sachverhalt kompakt [9].

Vermeide im Umkehrschluss riskante Wortneuschöpfungen, nur weil sie scheinbar wissenschaftlich klingen. Das Wort „Staccatopause“ beispielsweise mag für Fachfremde hochkompetent klingen, ist aber unsinnig, da es in seiner Bedeutung (Staccato = Ton kurz anspielen; Pause = nicht spielen) völlig widersprüchlich ist. Auch die Bezeichnung „8/11-Takt“ regt zum Schmunzeln an, da es keine Elftelnoten gibt.

Theorieteil: Die Notation (Schreibphase)

Geeignete Software (Capella 10)

Notensatz betreibe ich seit jeher mit Capella. 1997 sah ich eine blau-weiße Packung mit der Aufschrift „Notensatz mit dem PC“ irgendwo in einem Kaufhaus und für ein paar Mark erwarb ich die Software. In der großen Packung befand sich eine Diskette und nach erster, kurzer Einarbeitung wurde klar, dass die Möglichkeiten des Programms begrenzt sind. In dem Karton lag deshalb eine Infobroschüre; u. a. konnte man ankreuzen: „Ich bestelle capella professionell (DM248,-)“. Bezahlen konnte man u. a. mit V-Scheck, seine Telefon- und Faxnummer konnte man angeben.

Die letzten Pfennige meines Taschengeldes hatte ich zusammengekratzt, damit „capella professionell“ (inflationsbereinigt für ca. 200 € [Stand: 2026]) zweistimmige Notenzeilen erzeugt.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Sicher hast auch du dein bevorzugtes Schreibprogramm, auf dem du deine Seminararbeiten verfasst. Die meisten Studierenden arbeiten mit Microsoft Word, neuerdings vermehrt mit Word Online, auch LibreOffice, gelegentlich mit LaTeX – jeder hat seine Präferenzen. Eine für dich vertraute Benutzeroberfläche sorgt dafür, dass du dich aufs Schreiben konzentrieren kannst.

Screenshot von Capella 10.

Für sauberen Notensatz müssen zwei Fähigkeiten beherrscht werden: Zum einen sind Kenntnisse über Noten unerlässlich, zum anderen muss die Software beherrscht werden. Die Abspielfunktion erleichtert zudem das Einüben von Musikstücken [10]. Die Bedienung von Capella 10 ist komplex. Zumindest ist eine Einarbeitung erforderlich.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Beachte dringend, dass du bei einer empirischen Arbeit, in der du mit Evaluationssoftware arbeitest, nicht nur Fachwissen benötigst, sondern auch Bedienfähigkeiten. Dies gilt im quantitativen Bereich insbesondere für SPSS, R, JASP oder PSPP; bei qualitativen Arbeiten ist es MAXQDA. Daneben existieren weitere fachspezifische Programme, beispielsweise, um Landkarten zu erzeugen (GIS).

Die Benutzeroberflächen sind in aller Regel logisch angelegt. Nichtsdestotrotz erfordern saubere Ergebnisse mit ordentlichen grafischen Darstellungen Kenntnisse über die Software und ihre Bedienung. Plane die Einarbeitungszeit unbedingt ein.

Capella ermöglicht ein Speichern im eigenen Capella-Format (*.capx oder *.capXML), darüber hinaus ist ein Export ins MIDI-Format sowie in MusicXML möglich. Damit ist ein Austausch gewährleistet, sodass die Noten auch von anderen Programmen gelesen werden können. Hier musste ich lange ausprobieren, welches Format für welches Vorhaben das richtige ist. Die Entscheidung hängt stark damit zusammen, ob Liedtext exportiert werden soll oder Tempowechsel und ‑änderungen exakt übernommen werden sollen.

Daneben lassen sich Noten auch als PDF oder Grafiken in verschiedenen Formaten speichern.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Beachte die Möglichkeiten des Dateiaustauschs und wie Daten importiert werden. Davon hängt ab, wie du Daten von vornherein aufbereitest, z. B. in Excel. Darüber hinaus solltest du dich erkundigen, in welchem Format du Grafiken am besten exportierst, um sie dann in Word einzufügen. Screenshots sind in der Regel die schlechteste Lösung.

Arbeitsweise

Die Introduktion habe ich komponiert, als „Zum Lieben auserlesen“ fertig war. Erst dann wusste ich, worauf ich textlich und musikalisch hinleite. Mir wurde klar, dass die Introduktion in derselben Tonart stehen, keinen Gesang beinhalten sowie traurig und schwer klingen und das Tempo langsamer sein soll als im Folgestück. Das Vorwort zum vollendeten Werk schrieb ich danach, also ganz zum Schluss.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Sei es eine Master-, Bachelor- oder Hausarbeit: Du solltest die Einleitung am Ende verfassen, weil du erst dann weißt, welche thematische Hinleitung vonnöten ist.

Zwar hatte ich einen Großteil meiner Komposition schon auf dem Papier notiert, nichtsdestotrotz hätte ich mich geärgert, wenn ein Festplattenabsturz oder ein selbst verursachter Bedienfehler zur unwiederbringlichen Löschung geführt hätte. Deshalb legte ich regelmäßige Sicherungskopien an – auf einer zweiten Festplatte und zusätzlich auf einem USB-Stick bzw. in einer Cloud.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Speichere deinen Arbeitsfortschritt und alle weiteren Dateien regelmäßig. Nicht nur die eigentliche Textdatei kann verlorengehen, sondern auch bereits gestaltete Anhänge, heruntergeladene PDFs, sonstige Datensätze usw. kosten in ihrer Wiederherstellung bzw. Neugestaltung wertvolle Bearbeitungszeit.

Im Notensatz gelten Vorzeichen nur für einen Takt. Zur Vermeidung von Missverständnissen wird jedoch auch im Folgetakt – sogar oktavübergreifend – ein Auflösungszeichen gesetzt, um durch dieses Warnvorzeichen Eindeutigkeit zu gewährleisten. Wird ein Ton gehalten, entfällt das Vorzeichen.

Noten, die zeigen, dass gehaltene Noten keine Vorzeichen-Wiederholung erfordern und dass Warnvorzeichen in Folgetakten auch oktavübergreifend gelten.
Klangbeispiel 7: Warnvorzeichen

Zum Lieben auserlesen, T. 47–50

Es empfiehlt sich dringend, Warnvorzeichen sofort einzutragen, denn mit einem Klick ist das erledigt. Deutlich länger dauert es, die komplette Partitur am Ende nochmals durchzugehen, um die fehlenden Vorzeichen zu suchen. Zudem kann leicht etwas übersehen werden.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

In der Schreibphase deiner Seminar-, Bachelor- oder Masterarbeit solltest du alles, was sofort erledigt werden kann, tatsächlich sofort erledigen. Es ist beispielsweise deutlich zeitsparender, Abkürzungen direkt ins Abkürzungsverzeichnis einzutragen, Quellen direkt korrekt im Literaturverzeichnis zu vermerken und Abbildungs- bzw. Tabellenbeschriftungen direkt als solche zu formatieren. Ansonsten entsteht ein zusätzlicher Bearbeitungsschritt, der unnütz Zeit kostet. Es wird ermüdend, am Ende beispielsweise alle Abkürzungen aus dem Text zu fischen, denn die Gefahr des Übersehens ist groß.

Ungleich größer ist der Aufwand, erst am Ende das Literaturverzeichnis anzulegen. Dies kann nicht nur Stunden, sondern Tage dauern. Hast du im Textteil einen Autor wie z. B. „Müller“ verwendet oder wurden mehrere Werke eines Autors eingebracht, ist es äußerst komplex, dies alles noch kurz vor Abgabe herauszufinden und Texte ggf. noch einmal beschaffen zu müssen. Ganz besonders aufwendig wird es, am Ende nochmals entsprechende Stellen zu suchen, um Seitenzahlen nachträglich einzutragen. Ob du mit oder ohne Nennung der Seitenzahl paraphrasieren darfst, regelt der Leitfaden. Erkundige dich vorab.

Basisregeln

Musikalische Notation folgt dem Prinzip, dass alles, was gleichzeitig erklingt, untereinander notiert wird. Die Introduktion steht im 2/2-Takt, womit innerhalb eines Taktes die Länge von zwei halben Noten gespielt werden kann; „Zum Lieben auserlesen“ steht in einem 3/8-Takt und jeder Takt beinhaltet folgerichtig drei Achtel. In einem 4/4-Takt stehen vier Viertel usw.

Diese Grundregel beinhaltet aber auch, dass es „wild“ zugehen kann, indem beispielsweise verschiedene Notenwerte benutzt werden. In meiner Komposition singen nicht alle Stimmen rhythmisch gleichzeitig, d. h. rhythmisch synchron. Die Zählzeiten eines Taktes können also frei benutzt werden, solange in einem Takt hintereinander nicht mehr Notenwerte stehen als erlaubt.

Im folgenden Ausschnitt ist zu hören, dass die Männerstimmen (Tenor, Bass) das klangliche und rhythmische Fundament bilden, indem sie rhythmisch aktiver singen als die Frauenstimmen (Sopran, Alt).

Verdeutlichung anhand von Chornoten, dass die Stimmen rhythmisch variieren können.
Klangbeispiel 8: Rhythmische Asynchronität und Stimmführung

Zum Lieben auserlesen, T. 75–79

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Das erinnert stark an die Einhaltung von Seitenumfängen in deiner Bachelor- oder Masterarbeit. Zwar sind Kapitellängen nicht exakt getaktet. Allerdings herrschen hier ebenfalls Regeln vor, nämlich die der Ausgeglichenheit: Als grobe Regel sollten in einer empirischen Arbeit der Theorieteil und der empirische Teil jeweils etwa 50 % einnehmen; hinsichtlich der Länge sollte ein wichtiges Kapitel einen größeren Umfang ausweisen als beiläufige Informationen. Der Umfang der Teile sollte ihrer Funktion für die Forschungsfrage entsprechen. Als weitere Regel gilt, dass relevante Inhalte nicht erst in der dritten Kapitelebene (z. B. Sub-Sub-Kapitel 3.4.2) thematisiert werden sollten.

Im Notensatz gilt folgende Regel: Spielt ein Instrument einige Takte lang nicht und müsste in der Partitur eine leere Zeile notiert werden, entfällt für diese Passage die komplette Notenzeile.

Dies dient dazu, die Partitur übersichtlich zu halten. „Pausenzeilen“ werden also gar nicht in die Partitur aufgenommen. Damit entspricht sauberer Notensatz einer guten Rechtschreibung.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Lösche in deiner wissenschaftlichen Arbeit jene Inhalte, die deinen Text unnütz in die Länge ziehen. Damit schaffst du Platz für wirklich Wichtiges und zeigst, dass du dich auf das Wesentliche fokussieren kannst. Dein Text ist nicht dann perfekt, wenn du nichts mehr hinzufügen kannst, weil Ergänzungen immer getätigt werden können. Der Idealtext besteht, wenn du nichts mehr entfernen kannst, weil nur noch Relevantes in deiner Arbeit steht.

Vermeide Wiederholungen in deinem akademischen Werk.

Zudem gewährleistet der korrekte Gebrauch von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung ein universelles Verstehen, denn Sprache ist standardisiert. Es ist daher ratsam, sich an Normen zu halten, um korrekt verstanden und in der Fachwelt ernst genommen zu werden. Dies gilt umso mehr bei Studienarbeiten, die bewertet werden. Bist du dir hinsichtlich der Regeln unsicher, kontaktiere einen erfahrenen Lektor, der mit dem Regelwerk vertraut ist.

Ideen im Schreibprozess

Um spontane, musikalische Ideen zielführend umzusetzen, ist es zum einen erforderlich, die Regeln zu beherrschen. Zum anderen sind handwerkliche Fähigkeiten vonnöten. Nur weil die Idee neu ist und nach erstem Empfinden gut sein mag, darf die Umsetzung nicht losgelöst von theoretischen Rahmenbedingungen und praktischer Umsetzbarkeit erfolgen.

Allgemeine Erfahrungen schaffen übergreifende Orientierung. Beispielsweise kann die Abendstimmung mit langsam untergehender Sonne klanglich durch tiefer werdende Töne und sanfte Klänge dargestellt werden – nicht durch Trompeten und Paukenschläge.

Die Passage „Licht“ (T. 65-68) ist ein gutes Beispiel für solch eine klangliche Ausgestaltung. Das Bild des Lichtstrahls ist klar: Er wird breiter, er ist divergent.

Dies habe ich musikalisch auch so dargestellt.

In der Abbildung verdeutlichen die vier hellen Linien aus der Taschenlampe die Stimmführung; die Divergenz ist optisch zu erkennen.

Bildliche Darstellung einer musikalischen Umsetzung anhand einer Taschenlampe.
Klangbeispiel 9: Takte „Licht“

Zum Lieben auserlesen, T. 65–68

Die ersten beiden „Licht“-Takte stehen in B-Dur (verdoppelter Grundton im Bass), der D-Dur-Akkord mit Basston a (Quartsextakkord) erweckt den Eindruck des Schwebenden und des Strahlenden. Die Länge über vier Takte verstärkt diesen Effekt. Zusätzlich wurde das musikalische Prinzip der Gegenbewegung umgesetzt.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Denke beim Verfassen deiner wissenschaftlichen Arbeit an etwas Bekanntes und stelle Parallelen zur unmittelbaren Realität her. Vielleicht siehst du dich beim wissenschaftlichen Arbeiten verleitet, an komplexe Sachverhalte zu denken, an Theorien, Modelle, Wirkungsweisen oder Variablen. Doch diese Denkweise setzt am falschen Punkt an, denn oftmals sind wissenschaftliche Theorien, Modelle etc. durch Empirie, also durch Beobachtung realer Begebenheiten und Zusammenhänge, erst entstanden. Ausgangspunkt des wissenschaftlichen Denkens ist folglich die Sache und nicht die komplexe Theorie.

Allerdings solltest du, sobald du einen Untersuchungsgegenstand gefunden hast, die Ebene der Sachanalyse verlassen und dann tatsächlich die theoretische Auseinandersetzung anvisieren. Lege dazu eine klare Vorgehensweise fest, beispielsweise die anstehenden Bearbeitungsschritte. Damit bleibst du regelkonform und hinsichtlich des Vorgehens transparent.

Ein weiteres Beispiel für eine konkrete Umsetzung ist die Textausdeutung, ferner gehören Tonmalerei und Klangmalerei dazu; die Begriffe werden gelegentlich – je nach Kontext – synonym verwendet.

Denn bei der Umsetzung des Textes frage ich mich als Komponist ständig, wie ich ein Identifikationsgefühl erzeugen kann. Der Rezipient soll das Musikstück (hinsichtlich Musik und Text) verstehen und die gezeigten Sachverhalte nachvollziehen können. Aus diesem Grund habe ich Bilder geschaffen und griff dabei ebenfalls gebräuchliche Muster auf.

So beschreibt „Balance“ etwas Schwankendes und zugleich den Kraftakt, ein Gleichgewicht zu halten oder (wieder-)herzustellen. Denn mit Sprache geht ein inneres Bild einher; hier vielleicht eine Turnerin auf einem Balken.

Dies habe ich mit unverhofft auftretenden Sechzehntelnoten dargestellt, wie in Takt 43 zu erkennen.

Textausdeutung des Wortes Balance anhand von Sechzehntelnoten.
Klangbeispiel 10: „Irdische Balance“

Zum Lieben auserlesen, T. 43–44

Um den Effekt des Schwankenden zu vergrößern, hätte ich anstelle des a‘ ein as‘ notieren können, womit die Violinbegleitung an dieser Stelle chromatisiert gewesen wäre. Dennoch erschien mir die tonale Darbringung klanglich passender – unter Einbeziehung des kompletten Charakters des Stücks. Mir sind also Möglichkeiten bekannt, für die ich mich bewusst nicht entscheide.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Nutze bei wissenschaftlichen Texten ebenfalls die Möglichkeit der konkreten Darstellung. Denn Wissenschaft lebt von Verständlichkeit, nicht ausschließlich von Fachbegriffen. Einen Regentropfen als H2O-Impact zu bezeichnen, mag wissenschaftlich klingen, ist aber unpassend und je nach Zusammenhang sogar falsch. Der Begriff „Klassik“ wird in der Musik als Epochenbegriff verwendet und meint die Zeit „gegen Ende des 18. Jahrhunderts“ [11]. Darüber hinaus ist „Klassik“ ein Sammelbegriff für ältere europäische Kunstmusik [12].

Als weiteres Beispiel sei genannt, dass es in einer deskriptiven Beschreibung in aller Regel genügt, wenn du von Loyalität schreibst und nicht gleich von Commitment. Denn mit der Verwendung von Fachbegriffen geht das Risiko einher, dass sie falsch verwendet werden. Wer aber die Bedeutung der Fachtermini kennt – wie deine Dozenten –, empfindet die Ausdrucksweise alles andere als wissenschaftlich.

Als Daumenregel gilt also auch hier: Sei dir darüber im Klaren, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, um Sachverhalte zu beschreiben, und entscheide dich bewusst für oder gegen eine. Ganz besondere Wichtigkeit kommt dieser Regel in der mündlichen Prüfung zu, denn dann kannst du nicht nur deine Arbeit präsentieren, sondern auch Alternativmöglichkeiten diskutieren und begründen, weshalb du dich ausgerechnet für einen bestimmten Lösungsweg entschieden hast.

Wie deutlich wurde, verstehe ich das Komponieren – und das Musizieren überhaupt – als einen Prozess des permanenten Treffens von Entscheidungen. Gefordert ist also vor allem die Fähigkeit, Wege und Probleme zu identifizieren, Muster zu erkennen, sich in Sachverhalte einzuarbeiten und Lösungsstrategien zu entwickeln.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Die Schritte der Problemidentifizierung, Eingrenzung, Generalisierung und Problemlösung sind elementare Anforderungen im wissenschaftlichen Forschungsprozess. Einarbeitung ist demzufolge auch deshalb wichtig, um ähnliche Probleme mit bekannten Strategien lösen zu können. Dein Studium dient also nicht nur zur Anhäufung von Fachwissen, sondern vor allem der Förderung eines ganzheitlichen, problemlösungsorientierten Denkens. Neben Fachlichem solltest du deshalb bei einer Reflexion – sofern explizit danach gefragt – auch deine persönliche Entwicklung darlegen.

Unbekanntes bezwingen

Auch Notensetzer googeln oder nutzen KI, wenn Notation an ihre Grenzen gerät. Insbesondere Sonderfälle, die es noch nie zuvor gegeben hat, sind herausfordernd.

Screenshot von der Google-KI, die keine Antwort auf eine Frage weiß.

Wenn die KI ebenfalls ratlos ist, ist Improvisationsvermögen gefragt. Ich habe mich für die Möglichkeit der Haltebögen-Darstellung über den Satz hinweg entschieden.

Der fließende Attacca-Übergang von der Introduktion in den zweiten Satz.
Klangbeispiel 11: Attacca-Satzübergang

Zum Lieben auserlesen, T. 43–44

Dass auch Haltebögen weiter nach rechts ins Nichts verlaufen, ist beabsichtigt. Es verdeutlicht, dass die Noten „hineinklingen“. Damit dies überhaupt auf dem Klavier umsetzbar ist, sind die ersten Noten des zweiten Satzes (gebrochener g-Moll-Akkord) exakt zwischen dem erzeugten Cluster – das nur zur Vollständigkeit.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

In deiner wissenschaftlichen Arbeit darfst du KI nutzen, um an Informationen zu gelangen und um ganze Zusammenhänge zu erfragen. Bedenke dabei aber, dass eine KI auch halluzinieren kann und auf spezielle Fälle eventuell keine Antwort hat. In solchen Fällen ist es wichtig, dass du Informationen überprüfst und auf anderen Wegen recherchierst und transparent bleibst. Entscheide dich für eine Möglichkeit, die sachlich richtig und realistisch ist und zugleich vertreten werden kann. Denn exakt jene Stellen, in denen du Problemlösefähigkeiten beweist, werden gerne in einer mündlichen Prüfung bzw. in einem Kolloquium vertieft. Die Bewusstmachung und das Finden von Begründungen zu Lösungen geht über Ideen hinaus: Die Verteidigung beginnt also nicht erst mündlich bei der Prüfung, sondern bei der kreativen, begründeten Auswahl im Schreibprozess.

Herkömmliche Zweifelsfälle

Die Stelle „und er handle“ (T. 57-58) lässt sich auf zwei Weisen musikalisch umsetzen.

  • Möglichkeit 1: Der Tenor singt ein es‘ (notiert als es‘‘). Vorteil: Die sich daraus ergebenden Sextparallelen mit dem Sopran führen zu einer begleiteten Melodielinie des Wohlklangs. Nachteil: Der Tenor singt nun d‘ – es‘ – d‘; damit kehrt er zum d‘ zurück. Das muss er zwingend, weil er bei ‚logischer‘ Parallelfortführung aufs fis‘ springen würde, wodurch sich ein unsanglicher Sprung ergäbe. (Der eine oder andere kann sich vielleicht noch an den Musikunterricht erinnern: „unsanglicher Sprung bei harmonischem Moll von der 6. zur 7. Stufe.“) Die einzige sangliche Möglichkeit hier ist also d‘ – es‘ – d‘ und nicht d‘ – es‘ – fis‘.
  • Möglichkeit 2: Der Tenor singt dreimal ein d‘ (notiert als d‘‘) als monotone Linie d‘ – d‘ – d‘. Vorteil: Das ist für die Sänger leichter zu singen. Nachteil: Nur der Sopran als Melodiestimme bewegt sich, diese fußt per Achtel auf einem vollen B-Dur-Akkord, womit die einzige Frauenstimme im Moment des c‘‘ gegen den kompletten ‚starren‘ Chor ansingen müsste.

Rein musiktheoretisch ist beides möglich. Möglichkeit 1 mag im Klangergebnis etwas runder wirken, Möglichkeit 2 fällt nach Lemacher/Schröder unter „Dissonanzen auf unbetonten Zeiten“ [3] (S. 107). Insgesamt bewegt sich der Unterschied im Detailbereich.

Gegenüberstellung zweier Passagen mit einer anderen Note.
Klangbeispiel 12: Detail als Zweifelsfall

Zum Lieben auserlesen, T. 57–58

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Stehst du bei der Bearbeitung deiner Forschungsarbeit an einer Weggabelung, wirst du buchstäblich auf der Stelle treten, wenn du die Lösung an diesem Punkt suchst.

Richtigerweise unterliegt deine Hausarbeit bzw. jegliche andere Bearbeitung einer Zielsetzung. Wäge deshalb sorgsam ab, welche Bearbeitungsrichtung sinnvoller erscheint. Achte in diesem Abwägungsprozess dringend darauf, dass du Methoden nicht mit Zielen verwechselst, denn Methoden sind wiederum Wege. Wählst du ein anderes Ziel, kann dies eine Veränderung der Methoden nach sich ziehen.

Als Orientierung kann auch helfen, dass du dir Erkenntnisrichtung deiner Arbeit vergegenwärtigst. Deduktive Arbeiten folgen einer anderen Logik als induktive.

Da die Beantwortung der Forschungsfrage dein Ziel darstellt, ist es äußerst heikel, diesen Forschungsauftrag nachträglich dergestalt anzupassen und umzuformulieren, dass die Weggabelung eindeutig ist. Denn eine veränderte Forschungsfrage zieht häufig eine Anpassung aller Wege nach sich. Nicht selten müssen bei einer nachträglich modifizierten Forschungsfrage ganze Theoriekapitel um- bzw. neugeschrieben werden.

Zweifelsfälle fordern eine Entscheidung. Dazu sucht ein Komponist nach wiederkehrenden Formen und Motiven. So weist der Refrain im vorliegenden Stück Symmetrie auf: Nach vier Takten („Der Mensch sei nur ein gutes Wesen“) folgt der besagte Takt mit der Achtelpause und den zwei Achtelnoten (von denen nur eine einzige Note das „Problemkind“ ist). Idealerweise wiederholt sich der erste Teil des Refrains mit anderem Text („Zum Lieben ist er auserlesen“). Der Folgetakt besteht – ebenfalls rhythmisch identisch – aus einer Achtelpause und zwei Achtelnoten, sogar der Rhythmus im Folgetakt ist identisch (T. 73-74). Auch hier lassen sich Parallelen mit der Melodiestimme bilden: d‘‘ und es‘‘ im Sopran werden – diesmal im Alt – von f‘ und g‘ (als Möglichkeit 1) bzw. von f‘ und f‘ (als Möglichkeit 2) begleitet.

Endlich ist er erkannt und sauber herausgearbeitet – der Kontext!

Gegenüberstellung zweier Passagen, wobei eine Note verändert wurde.
Klangbeispiel 13: Kontext als Zweifelsfall-Lösung

Zum Lieben auserlesen, T. 73–74

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Auch in deiner wissenschaftlichen Arbeit hilft oft schon ein klarer Blick, um gute Entscheidungen treffen zu können.
Wiederkehrende Formen und Motive können in formaler Hinsicht sein:

  • Zitierstil: Dieser ist einheitlich und einzuhalten. Das betrifft zum einen die Art (in Klammern im Fließtext oder als Fußzeile) und zum anderen die Schreibweise (z. B. Nutzung von et al. bei mehr als zwei Autoren, einheitliche Verwendung von & usw.).
  • Zahlenschreibweise: Sofern der Leitfaden nichts anderes vorgibt, werden Zahlen ab 13 als Zahlen (13, 14, 15, …) geschrieben, Zahlen von 1 bis 12 als Wort.
  • Abkürzung: Ist sie einmal eingeführt, wird sie konsequent verwendet.
  • Kapitelüberschriften, Seitenzahlen, Seitenränder: Diese müssen einheitlich formatiert sein.
  • Abbildungen und Tabellen: Farblich einheitlich gestalten und einheitlich nummerieren.

Wiederkehrende Formen und Motive können in inhaltlicher Hinsicht sein:

  • Zeitform: Die gewählte Zeitform sollte konsequent und passend eingesetzt werden.
  • Begriffe und Definitionen: Zentrale Fachbegriffe sollten einheitlich verwendet werden. Ist ein Begriff definiert, sollte später nicht ohne erkennbaren Grund ein anderes Wort dafür genutzt werden.
  • Passivverwendung: „man“ wird durch Passivkonstruktionen oder ähnliche Phrasen ersetzt und bestenfalls konkretisiert („Man sollte …“ wird z. B. zu „Es wird empfohlen …“ oder „Erziehungsberechtigte sollten…“)
  • Forschungsfrage: Zur Leserführung in der Diskussion inhaltlich konkret aufgreifen.
  • Argumentationsstruktur: Wiederkehrende Gedankenschritte sollten ähnlich aufgebaut sein, z. B.: Zuerst die Quelle nennen, dann die Aussage erklären und danach den Bezug zur Forschungsfrage herstellen.

Zusammenfassend lässt sich formulieren, dass wiederkehrende Formen und Motive ein gestalterisches Prinzip sind, das Ordnung, Wiedererkennung und Harmonie schafft. Dies gilt allgemein. Bei einem Auto ist der Türgriff mathematisch betrachtet eine Ableitung der Form der Karosserie [13]. Formale Korrektheit kann Ästhetik entfalten und diese wiederum harmonische Wahrnehmung.

Beim Komponieren gilt, dass Einheitlichkeit hoch angesehen ist. Es geht um wiederkehrende Formen und nicht um ständig neue Ideen, die eingebracht werden. Denn jedes Motiv muss kompositionstechnisch „verwaltet“ werden: Wird es einmal verwendet, muss es wiederkehren, und das in wiedererkennbarer Form.

Als noch übergeordneter sind Ziel, Zweck und Zielgruppe des Werkes zu benennen: Soll das Werk eher übersichtlich und leicht sanglich sein, empfehlen sich andere Stimmführungen als bei einem Anspruchsgrad wie bei Beethovens Missa Solemnis.
Folglich dreht sich auch hier alles um den Kontext.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Sei dir beim Verfassen deines akademischen Textes bewusst, dass wissenschaftliches Arbeiten dein Kontext ist – sozusagen dein Genre, in dem du schreibst. Sei dir der textimmanenten Einheitlichkeit auch bewusst: Schreibst du einmal „potentiell“ (mit t) und einmal „potenziell“ (mit z), so schaffst du dir zwar – analog zum hiesigen Musikbeispiel – ebenfalls zwei korrekte Möglichkeiten, weil beide Schreibweisen laut Duden zugelassen sind. Dennoch verstoßen beide Schreibweisen, wenn du sie denn beide in deiner Arbeit gebrauchst, gegen das Gebot der Einheitlichkeit. Der übergeordnete Kontext gilt weiter: Denn zitierst du wörtlich („…“), so musst du zwingend die Schreibweise des Originaltextes übernehmen – selbst dann, wenn die Schreibweise konträr zu deiner eigenen Verwendung steht.

Selbstverständlich gibt es einen verschwindend geringen Rest an Zweifelsfällen, die echte Dilemmasituationen sind, in denen man sich also nur falsch entscheiden kann. Aber die falscheste Entscheidung von allen ist die Nichtbeachtung des Kontextes, woraus sich Uneinheitlichkeit ergibt.

Als ich mir die Noten ansah, war ich mir unsicher, ob ich Solistin und Solist in einer Notenzeile notieren sollte. Das Notensatzprogramm ist ein Schreibprogramm und ermöglicht Notensatz; es weist nicht auf etwaige Fehler hin. Ich schaute also in meiner Partiturensammlung in anderen Werken nach, tätigte Internetsuchen und fragte eine KI.

Ich entschied mich aus Platzgründen dazu, die Solistenstimmen in einer Zeile zu notieren. Zur Gewährleistung der Übersichtlichkeit notierte ich Pausen für jede Singstimme; die Frauenstimme ist an den nach oben ragenden Notenhälsen zu erkennen, bei der Männerstimme sind die Notenhälse nach unten gerichtet. Diese Notation erscheint mir am eindeutigsten, um Missverständnissen grafisch vorzubeugen.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Dies ist mit der Rechtschreibung vergleichbar. Bist du dir unsicher, schlage das Wort im Duden nach oder suche online. Denn ein Schreibprogramm warnt dich nicht – bzw. nicht zuverlässig – vor Rechtschreib- und Tippfehlern. Wenn also aufgrund eines Buchstabendrehers die Überlegung zur Übelregung wird, unterstreicht Word dies nicht.

Die gefährlichsten Zweifelsfälle sind aber jene, die gar nicht als solche erkannt werden, bei denen also der Zweifel ausbleibt. Denn wer nicht im Zweifel ist, schlägt ein Wort gar nicht erst nach. Demzufolge müssen mögliche Fehlerquellen erst identifiziert werden. Wissen, Erfahrung, Übung sowie ein Mehraugen-Prinzip sind hier hilfreich.

Zusammenfassend ist eine hyperbolische Gestaltung zu erkennen: Die Komposition beginnt mit einer schweren und traurig gestalteten Introduktion in g-Moll. Hier wird zu musikalischer Untermalung Text vorgetragen. Dem dissonanten Übergang zu „Zum Lieben auserlesen“ folgt ein fließender Wechsel in ein lebhafteres Tempo mit Taktwechsel bei unveränderter Tonart. Die beiden Teile der Strophe weisen identische Melodieführung und gleiche Akkordbegleitung auf, variieren jedoch rhythmisch. Die Melodie des Refrains ist verwandt mit der Melodie der Strophe. Zudem wird – ebenfalls zur Steigerung – der Refrain von einem großen Chor gesungen und der Refrain beginnt in Dur. Des Weiteren verkürzt sich die Akkordfolge im Refrain. Im Schlussrefrain, der einen Halbton höher gespielt wird, wird „Mensch“ zur persönlichen Ansprache. Dann treten in einem Tutti auch die Solistin und der Solist hinzu. Stets behielt ich die Aspekte der Spielbarkeit im Blick. Damit sind sämtliche Ziele erfüllt.

Die Erarbeitungsphase und die Schreibphase zeigen damit in der Summe eindrucksvoll, dass jede Note Bedeutung hat – genau so, wie jedes Wort und jeder Buchstabe in deiner wissenschaftlichen Arbeit bedeutungstragend sind.

Handschrift des Refrainbeginns von "Zum Lieben auserlesen".

Praktischer Teil: Der Klang (Praxisbezug)

MuseScore

Da Capella 10 – trotz capella-tune – seine Stärken im Notensatz ausspielt, ist bei der Klangerzeugung ein Hybrid vonnöten, also eine Software, die Noten interpretieren und so abspielen kann, dass alles nahezu realistisch klingt. Das kostenlose MuseScore ist dazu fähig.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Auch Transkriptionsprogramme sind in diesem Sinne ein Hybrid: Heute ist es einfach, Interviews per Software zu transkribieren. Zudem werden die transkribierten Ergebnisse – KI sei Dank – immer brauchbarer. Software wie MAXQDA ist leistungsstark und wurde seit jeher sukzessive ausgebaut.
Ferner ist in deiner Arbeit beispielsweise ein erarbeiteter Fragebogen oder Interviewleitfaden ein Hybrid. Denn hier wurden Informationen aus der Theorie so aufbereitet, dass sie in einer empirischen Untersuchung Situationen in der Realwelt erfassen.

Die Logik von MuseScore, insbesondere jene der Eingabe von Noten, unterscheidet sich maßgeblich von der Logik Capellas: In Capella können Noten hintereinander eingegeben werden. Sobald in einem gefüllten Takt eine Note entfernt wird, rutschen die Folgenoten auf. Wird konkret in einem 4/4-Takt, der aus vier Viertelnoten besteht, die letzte Viertelnote entfernt, sodass nur drei Viertelnoten im Takt stehen, rutschen die Noten des Folgetaktes in diese Lücke. Ist die Folgenote größer als eine Viertelnote, wird der Folgetaktstrich rot markiert. MuseScore verhindert eine Überfüllung von Takten und setzt Pausen, damit nichts verrutscht.

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile – letzten Endes kommt es auf die Gewohnheit an. Ich bevorzuge Capella.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Textverarbeitungsprogramme folgen einer Logik. Typische Fehler bei Microsoft Word sind: verrutschte Seiten, fehlerhafte Formatierung durch falsche Feldfunktionen, Grafiken werden nicht angezeigt oder fehlerhafte Seitenzahlenformatierung.

Nicht jeder Fehler ist ein Programmfehler. Arbeite dich in die Bedienung der Software ein, damit der Schreibprozess nicht durch ärgerliches Verrutschen von Text oder unerklärbaren Programmabstürzen geprägt ist. Das kostet nicht nur Zeit, sondern demotiviert.

Synthesizer V Studio 2 Pro

Synthesizer V Studio 2 Pro (Version 2.2.1 [Stand: Mai 2026]) ist ein Software-Synthesizer des japanischen Unternehmens Dreamtonics und ermöglicht musikalische Sprachsynthese. Noten lassen sich im MusicXML- oder im MIDI-Format einspeisen. „Gesungen“ werden die Noten allerdings nicht automatisch. Dafür ist der Erwerb von Stimmen vonnöten. Der Klang lässt sich dann als Einzelspuren oder als Mixdown speichern.

Derzeit bieten zahlreiche Hersteller von Sprachsynthese-Software Sprachpakete in folgenden Sprachen an: Englisch, Spanisch, Japanisch, Koreanisch, Mandarin-Chinesisch und Kantonesisch-Chinesisch. Deutsch ist nicht dabei.

Allerdings besteht die Möglichkeit, in aufwendigster Kleinstarbeit jeden Laut, d. h. jedes Phonem, einzeln (!) hinsichtlich Sprache und Länge der Laute einzustellen. Das Wort „führt“ habe ich – um ein möglichst realistisch klingendes Deutsch zu erhalten – wie folgt umgesetzt:

/f/ = englisches f
/ü/ = mandarin-chinesisches y
/rt/ = englisches r t

Eine klare deutsche Aussprache – zumindest bei klassischer Musik, in der jeder Laut genau artikuliert sein will – ist mir nicht gelungen! Mein Grad der Einarbeitung in die Phonetik bzw. Phonologie war wirklich enorm, denn ich brachte für einzelne Laute sogar deren Bildung in Erfahrung.

So unterscheidet sich ein englisches /r/ artikulatorisch von einem deutschen /r/. Der Unterschied liegt in der Lautbildung im menschlichen Sprechapparat. Ein deutsches /r/ wird im Standarddeutschen häufig weiter hinten im Mund- bzw. Rachenraum gebildet, meist als uvularer Frikativ oder Approximant. Ein englisches /r/ wird dagegen typischerweise weiter vorn gebildet, indem die Zunge in Richtung des hinteren Zahndamms bzw. vorderen Gaumens angehoben oder zurückgebogen wird; phonetisch handelt es sich meist um einen postalveolaren oder retroflexen Approximanten [14] [15].

Screenshot von Synthesizer V Studie 2 Pro.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Die Vorgehensweise erinnert an eine qualitative Forschung mit Experteninterview. Hier wird nicht nur Text zu Sprache (Interviewleitfaden wird vorgelesen). Das geführte Gespräch wird nämlich aufgezeichnet und dann wiederum transkribiert. Dabei sind aber mehrere Schritte relevant: Zum einen sollen die Worte verständlich notiert sein, womit Füllpartikel wie „oh“, „eh“ etc. – je nach Transkriptionssystem – gar nicht erst transkribiert werden. Bei einer qualitativen Inhaltsanalyse, etwa nach Mayring, sind Paraphrasierung, Generalisierung sowie Reduktion zentrale Schritte [16]. Das ist ebenfalls Detailarbeit.

Weitere Fehlerquellen, die aus der Nichtbeachtung von Details resultieren, sind z. B. Tippfehler, mangelnde Einheitlichkeit oder eine verrutschte Formatierung.

Wenn du also viel Mühe und Zeit investiert hast, empfiehlt es sich, eine fachkundige Person, d. h. einen Korrektor oder Lektor mit der Prüfung deines Textes zu beauftragen. Bist du im Schreibprozess überfragt, kontaktiere eine wissenschaftliche Beratung.

Zugegeben: Eine KI hat mir bei der Phonem-Zuordnung geholfen, denn ich konnte nicht wissen, dass in den genannten Sprachen ausgerechnet das Mandarin-y dem deutschen „ü“ phonetisch am nächsten kommt. – Ja, da war KI wirklich wertvoll!

Daneben verfügt Synthesizer V Studio 2 Pro über ein Wörterbuch, das Benutzer selbst anlegen können. Häufig gebrauchte Laute (die oft auch in Silben ersichtlich sind), wie z. B. „ver-“ (verbiegen, verlieben, verlautbaren, Verbot, Verschiebung etc.) können dort eingetragen werden. So werden mit zunehmenden Wörterbucheinträgen ganze Workflows erleichtert und der Ausgabeklang standardisiert.

Es gibt sogar Communitys, in denen User gemeinsam ein Wörterbuch erstellen, um deutschsprachige Texte bestmöglich erzeugen zu können.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Nutze KI als Recherchetool, arbeite dich mittels KI ein und lass dir Zusammenhänge von einer KI erklären. Das ist legitim. Überprüfe jedoch stets die ausgegebenen Informationen, übernimm nichts blindlings! Beschränke deinen KI-Einsatz im Rahmen der Texterzeugung nur in dem von deiner Hochschule zugelassenen Umfang.

Darüber hinaus solltest du dir Arbeitsschritte erleichtern. Hefte Zettel an deine Pinnwand, schaffe Routinen. Weitere Regeln sollten das regelmäßige Speichern deines Bearbeitungsfortschritts oder das Anlegen eines Zeitplanes sein. Bedenke: Je besser du organisiert bist, desto effizienter wird dein Workflow sein, womit vor allem den Details mehr Beachtung zugutekommt.

Es spricht nichts dagegen, wenn du dich in einer Lerngruppe austauschst. Auch über das Internet kannst du Gleichgesinnte suchen und dich – zum Beispiel in einer Facebook-Gruppe – über das wissenschaftliche Schreiben, über das universitäre Leben und über studentische Belange austauschen.

Audacity / Cubase

Audacity ermöglicht die Aufnahme und Bearbeitung von Audiodateien und kann kostenlos als Open-Source-Software downgeloadet werden. Dazu können Tonspuren übersichtlich angeordnet und separat geschnitten oder mit Effekten versehen werden.

Konkret habe ich folgende Spuren zusammengefügt und mit Hall versehen:

  • Spur 1: Solistin und Solist
  • Spur 2: Chor (SATB)
  • Spur 3: Violine
  • Spur 4: Klavier
  • Spur 5: Sprecherin und Sprecher (ohne Hall)

Im Anschluss habe ich die Spuren zusammengefasst und als eine Datei gespeichert. Dieser Vorgang wird als Mixdown, Rendern oder Exportieren bezeichnet.

Cubase professionell von Steinberg ist eine Software, die genau dies ebenfalls kann, bewegt sich jedoch im professionellen Bereich. Hier können spezielle Hall-Effekte hinzugefügt werden. Besonders praktisch ist die Snap-Funktion, die es ermöglicht, Spuren exakt zu synchronisieren.

Mit deutlich mehr als 500 € bedient Cubase Pro 15 sogar die Anforderungen für Hollywood-Filmkomponisten wie Hans Zimmer.

Für meine Zwecke reicht Audacity.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Wäge ab, welche Software du tatsächlich benötigst. Sofern nicht zwingend MAXQDA vorgeschrieben ist, reicht zur Kategorienbildung eines übersichtlichen Korpus die Einordnung von Aussagen in Tabellen.

Hier sei eine Rückbesinnung auf die Zielsetzung empfohlen, denn die pure Softwarenutzung ist kein Ziel, sondern eine Methode. Entscheidend ist, dass du dein Forschungsziel erreichst.

Teilweise sind statistische Auswertungen jedoch so komplex, dass eine Statistiksoftware unausweichlich ist. Hinzu kommt, dass das händische Zählen von Antworten nicht nur mühselig, sondern auch fehleranfällig ist.

Frage deinen Dozenten bzw. im Methodenzentrum deiner Hochschule, ob für die Dauer der Bearbeitungszeit deiner Abschlussarbeit entsprechende Software kostenfrei bereitgestellt werden kann.

Screenshot von Audacity.

Diskussionsteil

Synthese

Im Musikproduktionsprozess findet eine Synthetisierung nicht erst dann statt, wenn die Tonspuren fertig bearbeitet sind oder gar das fertige Werk vorliegt. Vielmehr sind viele Wege genormt: Sämtliche Dateiformate stehen fest, damit die nächste Software im Folgeschritt der Bearbeitung korrekt bedient wird. Im Vergleich zum wissenschaftlichen Arbeiten beziehen sich die Synthetisierungs-Überlegungen eher auf Abläufe als auf Inhalte.

Vergleichbar sind die Synthesen jedoch in einem Punkt ganz sicher: Die Grenzen der Realisierbarkeit werden sichtbar.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Im Diskussionsteil einer empirischen Arbeit werden Befunde aus der Forschung mit Theorieinhalten zusammengeführt. Entwickelst du beispielsweise Handlungsempfehlungen für ein Unternehmen, so sei dir bewusst, dass weder die Theorie noch die praktischen Ergebnisse die Realität in Gänze abbilden. Die abgeleiteten Empfehlungen sollten nicht vorschnell als allgemein übertragbare Best Practices verstanden werden, auch wenn Schreibende gelegentlich dazu geneigt sind, empirischen Befunden eine höhere Praxisnähe beizumessen. Verzerrungen wie der Hawthorne-Effekt oder die soziale Erwünschtheit sollten zusätzlich berücksichtigt werden.

Zwar nimmt eine Bachelor- oder Masterarbeit in aller Regel nur eine Analyseperspektive ein, d. h., dass beispielsweise Handlungsempfehlungen entweder für Führungskräfte oder für Mitarbeiter entwickelt werden. Die Abbildung der Realität besteht also bestenfalls aus einer Balance: einer, die sich aus der Perspektive eines bestimmten Beobachters ergibt – aber im Hinblick auf die praktische Umsetzung. Da in der Praxis jedoch verschiedene Akteure unterschiedliche Absichten verfolgen, wird die konkrete Ausgestaltung allenfalls als Kompromiss sichtbar.

Während in einem Orchester zwischen musikalischer Leitung und ausführenden Stimmen getrennt wird, ist es in einer Studienarbeit unrealistisch, Mitarbeiter gleichzeitig als Chefs wahrzunehmen oder zu Erziehende gleichzeitig als Erzieher. Doch genau solche und ähnliche realitätsferne Einstufungen werden oftmals vorgenommen. Reflektiere deshalb im Diskussionsteil offen, wenn sich die Wirklichkeit in einem Spannungsfeld bewegt. Meiner Erfahrung nach tut sie das immer.

Limitationen

Grenzen in meiner Komposition existieren zuhauf, derer bin ich mir bewusst: die begrenzte Anzahl der Instrumente, die Tonumfänge, die Umsetzbarkeit insgesamt. Weiterhin lassen sich Dynamikangaben reflektieren, woraus sich beabsichtigte Wirkungen herleiten lassen.

Die Einordnung meines Stücks fällt in weiten Teilen recht leicht. In der Kunst wird dies oftmals bemängelt, weil Deutungsoffenheit von Werken großgeschrieben wird. Heutzutage werden experimentelle oder transgressive Elemente, in der Musik zumeist die Grenzüberschreitung von Klang zu Geräusch, oft positiv bewertet. Meine Komposition lebt von Klängen, nicht von Geräuschen – und erst recht nicht von einem Spiel in diesen Grenzbereichen.

Dennoch: In „Zum Lieben auserlesen“ ist eine dieser Stellen – analog zum Satz-Übergang, allerdings ohne es‘ bzw. es‘‘ – die lautmalerische Darstellung der Zerstörung: Im Sforzando liegen u. a. große und kleine Sekunden auf einer tiefen Bassauflage mit Quintklang.

Beispiel einer Klang-Geräusch-Überschreitung in Takt 102.
Klangbeispiel 14: Klang-Geräusch-Überschreitung

Zum Lieben auserlesen, T. 99–104

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

In deinem Diskussionsteil solltest du deutlich machen, was die Grenzen deiner Arbeit sind. Die Formulierung dieser Limitationen ist wichtig, weil du durch das Aufzeigen von Grenzen deiner Arbeit dein wissenschaftliches Selbstverständnis preisgibst. Du zeigst, mit wie viel Feingefühl du nicht nur dein Werk, sondern den Wert deines Werkes reflektierst.

Diese Einordnung ist mehr als eine theoretische Leistung und mehr als Handwerk. Durch das gezielte Herausgreifen geeigneter Stellen zeigst du, dass wissenschaftliches Arbeiten Gründlichkeit darstellt, die du nicht nur beherrschst, sondern zu schätzen weißt. Zugleich zeigst du auf, dass eine wissenschaftliche Erarbeitung ein iterativer Prozess ist: Gute Ergebnisse entstehen nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise.

Reflexion

Alles – ausnahmslos alles – in meiner Komposition habe ich selbst komponiert und textiert. Es ist nicht etwa so, dass ich mir bloß eine Melodie erdacht hätte und eine KI hätte diese weiterentwickelt oder gar die Begleitung dazu erzeugt. Zwar sind KIs heute einerseits bereits recht leistungsstark, andererseits liefern KIs weitgehend uniforme Ergebnisse; so auch in der Musik. Es wäre für mich unmöglich gewesen, KI-generierte Motive oder Begleitungen in Gänze zusammenzufügen und einzelne Formen herauszuarbeiten und miteinander zu kombinieren.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

KI-Arbeiten, in denen nur Überschriften „abgearbeitet“ werden, sind im Diskussionsteil schwierig zu diskutieren und zu reflektieren, weil Inhalte nicht themenbezogen, sondern isoliert dargebracht werden.

Beim wissenschaftlichen Arbeiten gibt es deshalb sozusagen mehrere Güte- bzw. Kompetenzstufen. Die unterste Stufe beinhaltet, zu Kapitelüberschriften – insbesondere im Theorieteil – allgemeine Ausführungen zu tätigen. Das funktionale Verständnis offenbart sich erst, sobald Bezüge zum Thema, zur Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit deutlich werden. Entsprechend kann inhaltlich diskutiert und die Arbeitsweise reflektiert werden. Eine KI als Texterzeugungstool zu verwenden, ist alles andere als sinnvoll, weil Kapitel blockweise erzeugt werden und ein zu reflektierender roter Faden ausbleibt.

Ergebnis (Fazit)

Der Gesamteindruck

Notation und Klang müssen stimmen, der Gesamteindruck sollte buchstäblich ein Wohlklang sein. Die musikalischen Formen und Motive, die teils variiert wurden, habe ich hinsichtlich ihres Kontextes und Klangs überprüft. Dies gewährleistet mehr als ein ‚lineares‘ Hören, vielmehr zeigt sich nun in der Tiefe, wie sehr der klangliche und theoretische Zusammenhang miteinander verzahnt sind. Das Musikstück wurde in der Erarbeitungsphase bereits darauf angelegt und entsprechend umgesetzt. Für mich ist der Charakter eines fertigen Stücks deutlich aussagekräftiger als noch unfertige Elemente in der Bearbeitungsphase. Das musikalische Fazit ist demnach ein Gesamteindruck, der Form, Inhalt und Bearbeitungsweise kritisch reflektiert und zusammenfasst.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Auch beim wissenschaftlichen Arbeiten zeigt sich im Fazit, ob du logisch vorgegangen bist. Diese Logik erstreckt sich nicht bloß auf die Einhaltung formaler und inhaltlicher Grundsätze. Streng genommen reicht die Bearbeitungslogik auch weit über die methodische Vorgehensweise hinaus. Denn an der Art, wie Ergebnisse zusammengefasst und eingeordnet werden, offenbart sich die eigentliche Kunst des wissenschaftlichen Schreibens. An den verfassten Gutachten erkannte ich wiederholt, dass viele Dozenten deshalb zuerst das Fazit lesen.

Bewertung

Einordnung eines Feedbacks

Musik ist ein Gefühl – das behaupte nicht nur ich, sondern viele Musikschaffende. Theoretische Richtigkeit ist nur eine Facette. Dennoch begrenzen Regeln nicht nur, sondern ermöglichen Qualität, teilweise auch Standards. Das macht Vergleichbarkeit sowie Bewertung möglich.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Da wissenschaftliches Arbeiten stets Regeln und Vorgaben unterliegt, müssen Beurteilungsmaßstäbe existieren. Diese sind jedoch nicht einzigartig, denn ausnahmslos jeder Text benötigt Logik, Zielführung, Orientierung an Standards und ein Mindestmaß an Verständlichkeit. Auch das Rhema ist entscheidend: dass ein Text neue Informationen bereitstellt.

Damit nehmen wissenschaftliche Texte in vielerlei Hinsicht keine Sonderstellung ein. Vielmehr sind es wissenschaftliche Methoden und die Einhaltung formaler Standards, die dem wissenschaftlichen Wirken ihren spezifischen Wert einhauchen. Exakt hier liegen die Aspekte der Standardisierung sowie die sich daraus ergebenden Bewertungskriterien.

Da diese Bewertungskriterien und sämtliche Standards nicht etwa geheim, sondern bekannt sind – und teilweise von Dozenten offengelegt werden –, lässt sich wissenschaftliches Schreiben erlernen. Eine Bewertung stellt folglich kein Zufallsergebnis dar, sondern ist ein beabsichtigtes Feedback über die Einhaltung von Regeln.

Beim Komponieren, aber auch beim Durchlesen meiner eigenen Partituren und beim Spielen meiner eigenen Werke fallen mir nachträglich gelegentlich Stellen auf, die – aus meiner Sicht – besonders gelungen sind oder mit denen ich unzufrieden bin. Manchmal verändere bzw. überarbeite ich Text, Melodie oder Begleitung leicht. Das ist ein gutes Zeichen. Denn einerseits zeigt dies, dass ich mich weiterentwickle. Andererseits darf ich reflektieren, dass die Distanz zum eigenen Werk stark von subjektivem Empfinden geprägt ist, worunter die objektive Komponente leidet.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Deine nachvollziehbaren Ideen und deine begründeten Rückschlüsse sind die Melodie deiner Arbeit. Du wirst diese Melodie anders empfinden als andere. Es ist deshalb empfehlenswert, dass eine andere Person deine Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit durchliest, weil sie als Prüfungsleistung bewertet wird. Zudem ist ein Werk nicht automatisch gut, nur weil viel Arbeit darin steckt.

Ob deine Abfassung gelungen ist, zeigt sich nicht daran, dass alles irgendwie vorhanden ist, sondern darin, dass alles sinnvoll zusammenwirkt. Das wird ein zentrales Bewertungskriterium deiner Arbeit sein. Der eigene Blick auf das eigene Werk kann daher Verzerrungen unterliegen. Insgesamt gilt: Nur weil ein Defizit einem Schreibenden nicht auffällt, heißt dies noch lange nicht, dass es nicht vorhanden ist. Kontaktiere einen professionellen Lektor, der nicht sein subjektives Empfinden, sondern seine Erfahrung als Maßstab anlegt.

Denn ein Nichtbestehen ist auch dann möglich, wenn die Theorie korrekt dargebracht wurde. Eine falsch bzw. mangelhaft durchgeführte Forschung oder ein Text ohne Bezüge bzw. Zitation erhebt selbst dann keine wissenschaftlichen Ansprüche, wenn ansonsten Informationen stimmen.

Selbstreflexion

Mir ist bewusst, dass „anders“ nicht gleichbedeutend mit „besser“ ist. Allein dieses Bewusstsein ist essenziell, um eigene Leistungen, aber auch Fremdes auf mehreren Ebenen reflektieren zu können.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Sei dir im Klaren darüber, dass dein Fazit – insbesondere dann, wenn explizit eine persönliche Reflexion gefordert ist, wie oft in Praktikumsberichten – viel mehr ist als ein Sachtext. Reflektiere deinen Lernprozess kritisch und zeige Entwicklungspotenzial auf. Die Bewertung wird sich nicht nur darauf beschränken, ob du wissenschaftliche Regeln befolgt hast, sondern ob du in der Lage bist, deine Persönlichkeit in einem Berufsfeld sinnvoll zu verorten. Dies zu wissen ist mehr als Wissen; diese Reflexionsfähigkeit wird eine Kernkompetenz für dein späteres Berufsleben.

Kritik

Sachkritik und Argumente

In meinem Werk ließen sich in der Strophe die Sprünge von d‘ nach b‘ sowie die ähnliche Melodieführung und Akkordbegleitung kritisieren. Hier ist wichtig, den Kritikaspekt der Melodie nicht aus dem Kontext zu reißen: Zum einen variiert die Begleitung rhythmisch, zum anderen ist das Werk so aufgebaut, dass der Refrain als Dur-Teil mit Choreinsatz einen melodischen Bogen als Kontrast bildet.

Das ist zu hören. Wissen muss man hingegen, dass ich auch in anderen Werken gerne Oktavsprünge im Bass einbringe. Nicht-Experten kann es außerdem schwerfallen, ihre Eindrücke zu begründen, weil auch die korrekte Formulierung von Kritik oftmals immanentes und übergreifendes Sach- sowie Fachwissen erfordert.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Kritik ist im originären philosophischen Sinne kein rein negativer Begriff, sondern bezeichnet eine prüfende Beurteilung bzw. Untersuchung [17]. Kritik bezieht sich auf Sachaspekte.

In deiner Seminararbeit ist es deshalb wichtig, dass du nicht nur Lösungen, sondern Lösungswege aufzeigst und transparent darlegst, weshalb du dich für einen bestimmten Lösungsweg entschieden hast. Die höchste Qualitätsstufe eines Fachtextes ist daher nicht die vollkommene Fehlerfreiheit, sondern die Begründung, woraus deine Entscheidungskompetenz ersichtlich wird.

Bewertet wird in deiner Studienleistung damit nicht nur Richtigkeit, sondern Stimmigkeit. Diese bezieht sich auf deine Arbeit – und zwar als Gesamteindruck. Einzelne Stellen können jedoch als Indikatoren herangezogen werden, um Generalkritik zu üben. Ein Klassiker diesbezüglich ist die Nichtbeachtung formaler Vorgaben. Wird beispielsweise als Zitation APA7 erwartet und du zitierst in Fußzeilen, könnte der Gesamteindruck des Prüfers nicht etwa „Naja, kann passieren, immerhin wurde zitiert.“ lauten, sondern „Meine Güte, nicht mal die grundlegenden formalen Aspekte sind erfüllt. Inhaltlich sind bestimmt auch Mängel drin.“ – Aus Erfahrung weiß ich, dass formal schwache Arbeiten oft auch inhaltlich defizitär sind.

Geh davon aus, dass dein Dozent Experte in jenem Bereich ist, in dem du deine Arbeit verfasst. Nutze sein Fachwissen, um dich weiterzuentwickeln und Wiederholungsfehler zu vermeiden. Liegt kein Gutachten bei, frage deine Betreuer oder im Prüfungsamt.

Wahrnehmung von Kritik

In der Kunst gibt es keine Polizei – allerdings besteht das Risiko, dass das Publikum negativ reagiert. Damit unterliegt Kunst auch der Interpretation des bzw. der Rezipienten.

Im Laufe der Zeit bemerkte ich, dass es zahlreiche Menschen gibt, die meine Musik kritisieren oder teilweise sogar unsachliche Kritik geäußert haben. Dazu fielen mir drei Aspekte besonders auf:

  1. Besonders scharfe Kritik kommt nicht immer von fachkundigen Personen.
    Anfangs habe ich mich darüber aufgeregt, bis mir bewusst wurde, dass Kritik dann wertvoller ist, wenn sie von einem Experten geäußert wird.
  2. Je mehr Konzerte ich gebe und je mehr ich präsentiere, desto mehr Kritik erhalte ich. Das ist logisch, weil das erreichte Publikum größer ist.
  3. Negative Kritik bleibt länger in meinem Gedächtnis als Lob. Diese Einstellung habe ich über die Jahre hinweg verändert, weil Gedanken an Positives motivieren.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Du solltest davon ausgehen, dass mehr Sichtbarkeit die Wahrscheinlichkeit von Kritik erhöht. Die Häufigkeit der Kritik hast du also selbst in der Hand. Oder noch krasser formuliert: Machst du gar nichts, wirst du auch keine Kritik erhalten. Davon abgesehen hängt Feedback auch mit der Qualität eines Werkes, dem Thema, Publikum und dem Fachkontext zusammen. Du wirst in deinem Studium – und insgesamt in deinem Leben – aber weniger vorwärtskommen, je weniger du machst. Alles spricht also dafür, Engagement zu zeigen.

Wenn deine Abschlussarbeit so gut ist und du sie vor Publikum präsentieren darfst oder sie sogar veröffentlicht wird, wird das Echo deutlich größer ausfallen. Auch hier besteht die Gefahr, dass du plötzlich von selbsternannten Experten umringt bist, die scheinbar alles wissen, alles können und zugleich alles schlechtreden. Hier gilt: Achte darauf, wer die Kritik äußert. Zudem beinhaltet jede Kritik zugleich Selbstoffenbarung.

Ich verstehe Kritik als Chance, mich zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Der konstruktive Umgang mit Kritik ist für mich damit Bestandteil meines Seins. Deshalb freue ich mich über dein Feedback – gerne sende ich dir die Partitur ohne Wasserzeichen zu.

Was du für wissenschaftliches Arbeiten daraus lernen kannst

Wenn du mit mir an deinem Studienprojekt zusammenarbeiten und eine Kakophonie vermeiden möchtest, erhältst du exakt diese Arbeitsweise und Logik. Gerne helfe ich auf Wunsch auch punktuell.

Werk: Zum Lieben auserlesen

Hier eingesetzte Medien und Software

  • Notation
    Notenlinienpapier und Stift
  • Notensatz
    Capella 10
  • Klangliche Synthetisierung (Instrumente)
    Violine: MuseScore (Musesounds: Violin 2 (Solo))
    Klavier: MuseScore (Musesounds: Grand Piano)
  • Klangliche Synthetisierung (Synthesizer)
    Synthesizer V Studio 2 Pro (Dreamtonics)
  • Klangliche Synthetisierung (Solo-Stimmen / Chor)
    Frauenstimme solo: Solaria, Eclipsed Sounds (in Synthesizer V Studio 2 Pro)
    Männerstimme solo Saros, Eclipsed Sounds (in Synthesizer V Studio 2 Pro)
    Chor: Dreamtonics Choir Voice Collection #2: (in Synthesizer V Studio 2 Pro)
  • Editing/Mixing
    Audacity 
  • Textvortrag (in Introduktion)
    Lea – Genuine and Soothing (aus ElevenLabs)
    Leo – Wistful and Deep (aus ElevenLabs)
  • Textverarbeitungsprogramm
    Microsoft Word
  • Zusammenfügen der PDFs
    PDF 24 Creator

Liedtext

Introduktion: „Wesen Mensch“
(Version 2026)
365 Konflikte erschüttern unsere Erde [18];
mehr als 120 Millionen Menschen sind vertrieben,
darunter über 42 Millionen Flüchtlinge [19].
Jährlich töten und verletzen Minen und Blindgänger Tausende [20] [21];
weltweit existieren mehr als eine Milliarde Handfeuerwaffen [22] [23];
etwa alle vier Minuten stirbt ein Mensch im Krieg [24].
 

Zum Lieben auserlesen

1.

Wo Riegel führn, da herrscht Verschlossenheit,

wo Waffen sind, regiert die Angst.

Wo Krieg entsetzt, verliert die Menschlichkeit,

o Freiheit, wie du wankst!

Wer ungerührt nur an sich selber denkt,

zermürbt die irdische Balance.

Der freie Wille, der uns einst geschenkt,

bleibt unsre allergrößte Chance.

Ref.:

Der Mensch sei nur ein gutes Wesen

und er handle so.

Dann führt er sich vom Dunkel in das Licht.

Zum Lieben ist er auserlesen

und nicht irgendwo,

denn Frieden auf Erden ist seine Pflicht.

2.

Wer das zerstört, was er errichtet hat,

zeigt weder Größe noch Verstand.

Dabei hält er des Lebens Reisepfad

ganz selbstbestimmt in seiner Hand.

Wer andern hilft und frei nach Frieden strebt,

als Vorbild auftritt und vergibt,

beweist, dass er auch für die Nachwelt lebt

und seine Kinder innig liebt.

Ref.:

[…]

 

Als Mensch bist du ein gutes Wesen,

handle täglich so

und führ die Welt vom Dunkel in das Licht.

Zum Lieben bist du auserlesen

und nicht irgendwo.

Denn Frieden durch Liebe ist deine Menschenpflicht.

Lorenz Schlösser

Zeiten und Abschnitte in „Zum Lieben auserlesen“

Introduktion „Zum Lieben auserlesen“
00:00–01:48 Musik mit Textvortrag (T. 1–20)
„Zum Lieben auserlesen“
01:48–02:18 Vorspiel (T. 1–20)
02:18–03:07 1. Strophe (T. 21–52)
03:07–03:56 Refrain (T. 53–84)
03:56–04:19 Zwischenspiel (T. 85–100)
04:19–05:08 2. Strophe (T. 101–132)
05:08–05:57 Refrain (T. 53–[Coda]–T. 136)
05:57–06:34 Refrain [+1 Halbton] (T. 137–160)
06:34–07:04 Finale (T. 161–176)

Gesamtwerk hören & Partitur

„Zum Lieben auserlesen“

mit Introduktion

Seite 1 der Komposition
1 / 38

Hinweis

Sobald mir eine Aufnahme mit deutscher Sprachsynthese möglich ist, werde ich diese hier ergänzend posten.

Literaturverzeichnis

Literaturverzeichnis anzeigen
  1. Trebeß, Achim (Hrsg.) (2006): Metzler Lexikon Ästhetik: Kunst, Medien, Design und Alltag. J. B. Metzler.
  2. Bibliographisches Institut GmbH. (o. J.): Komposition. Duden online. https://www.duden.de/rechtschreibung/Komposition [10.05.2026]
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  4. Lemacher, Heinrich & Schroeder, Hermann (1977): Lehrbuch des Kontrapunktes (7. revid. Aufl.). Mainz: Schott.
  5. Fladt, Hartmut (2025): Text-Musik-Relationen. In: Jeßulat, Ariane; Schwab-Felisch, Oliver; Sprick, Jan P. & Thorau, Christian (Hrsg.), Handbuch Musikanalyse: Pluralität und Methode, S. 422–432. J. B. Metzler. https://doi.org/10.1007/978-3-476-06006-8_30
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  7. de la Motte, Diether (2022): Harmonielehre (19. Aufl.). Kassel: Bärenreiter.
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  22. Small Arms Survey (2018): Global Firearms Holdings. https://www.smallarmssurvey.org/database/global-firearms-holdings [10.05.2026]
  23. United Nations Disarmament Yearbook (2019): UN Disarmament Yearbook, Bd. 44, Teil II. https://yearbook-archive.unoda.org/2019/chapter3.html [10.05.2026]
  24. PRIO (2025): New data shows conflict at historic high as U.S. signals retreat from world stage. https://www.prio.org/news/3616 [10.05.2026]

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