Beobachtungen zum Politikgeschehen
Politische Herausforderungen sind vielfältig. Über die Wahlen, Regierungsbildung und konkrete Gestaltung von Innen- und Außenpolitik hinaus, besteht gegenwärtig das Problem der Desinformation. Faktisch sehen sich alle westlichen Gesellschaften mit Desinformationsbekämpfung konfrontiert. Oftmals werden in Gesprächen, so meine Beobachtung, Fakten zu Meinungen herabgewürdigt und Vermutungen zu Tatsachen erhoben. Leider fällt dieser Praxis eine gepflegte Gesprächskultur zum Opfer.
Als wissenschaftlicher Berater, der häufig in den Bereichen der Gesellschafts- und Sozialwissenschaften berät, verstehe ich es als meine Pflicht, auch aktuelle politische Geschehnisse zu erfassen. Dies ermöglicht mir die Optimierung meiner Beratungstätigkeit. Ein möglichst neutraler Überblick entsteht zudem durch die Auswertung mittels wissenschaftlicher Methoden. Als Beispiel dazu kannst du dir mein analysiertes Gespräch mit dem Bundeskanzler hier ansehen.
Verfasst du eine Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit, so musst du deine eigene Meinung hintanstellen. Arbeite mit Quellenbelegen, arbeite mit wissenschaftlicher Fachliteratur und komme auf dieser Basis zu einer Schlussfolgerung, die durch Argumente getragen ist.
Die folgenden „10 Gebote des Politikverständnisses“ habe ich aufgrund meiner Beobachtungen entwickelt und formuliert. Der Aufbau eines jeden Gebots ist dabei identisch: Im ersten Absatz wird das Selbstverständnis von Politik beschrieben, im zweiten Teil die Conclusio.
Lade dir die einzelnen Gebote herunter, schicke sie deinen Freundinnen und Freunden!
1. Gebot: Beachte nicht nur die Weltpolitik.
Lediglich im engen Sinne bedeutet Politik „Staatskunst“, womit der Begriff dem griechischen „polis“ entstammt. Ferner bezeichnet Politik auch Strukturen (Polity), Prozesse (Politics) sowie Inhalte (Policy) im Rahmen des Gemeinwesens. Menschliche Gemeinschaften gibt es überall, Politik ist allgegenwärtig.
Willst du etwas verändern, fange in deinem Umfeld an! Engagiere dich in einem Verein, sei ehrenamtlich tätig, geh Blutspenden oder hilf deinen Nachbarn.
2. Gebot: Denke nicht in links/rechts oder gut/böse.
Jeder in der Politik Tätige hegt die Absicht zur Veränderung. Ein starres Denken in politisch-spektralen Kategorien rückt nicht die sachgebundenen Aspekte in den Fokus, sondern schafft Lager und damit Feindbilder.
Reflektiere zuerst den Zweck einer politischen Maßnahme! Erörtere in einem zweiten Schritt die konkrete Umsetzung, da diese zielgerichtet ist. Diese Reflexionskultur eröffnet Raum zum Austausch für Argumente, verhindert ideologiegetriebene Diskussionen und fördert sachliche Kritik.
3. Gebot: Lerne die Vielfalt von Politik zu schätzen.
Politische Vielfalt bezieht sich auf unterschiedliche Ziele und Lösungswege. Deshalb eröffnen Abwägungen Handlungsräume. Die fundierte Auseinandersetzung mit belegbaren Tatsachen gewährleistet die Basis zum Austausch von Vorstellungen über die Zukunftsgestaltung.
Schärfe deine Wahrnehmung, um politische Vielfalt zu erkennen! Denn die Facetten von Politik spiegeln die Vielfalt der Menschen und ihre Bedürfnisse. Möchtest du selbst Politik gestalten, frage die Menschen zuerst, was sie bewegt.
4. Gebot: Begreife Politik als Langzeitgeschehen.
Politische Gestaltung ist ein Prozess. Die Wirkung politischer Maßnahmen entfaltet sich nur selten ad hoc. Verantwortungsvolles politisches Handeln würdigt deshalb vergangene Erfahrungen bei Entscheidungsfindungen, orientiert sich an in der Zukunft ausgerichteten Zielen und nicht an kurzfristigen Erfolgen oder Einzelfällen.
Stelle dir die Welt mit und ohne die getroffene politische Maßnahme vor! Bringe in Erfahrung, ob es jene Intervention in der Vergangenheit bereits gegeben hat und welchen Effekt sie bewirkte. Eigne dir zur Meinungsbildung bestenfalls Fachwissen an.
5. Gebot: Verachte keine Andersdenkenden.
Menschen sind individuell, unsere Gesellschaft ist diversifiziert. Umsichtige Politik berücksichtigt dies. Gerade deshalb wird Politik immer häufiger zur Zielscheibe von Hass, Desinformation und Populismus, insbesondere in den sozialen Netzwerken.
Respektiere Menschen mit anderen Meinungen, belehre niemanden! Damit zeigst du Wertschätzung und Toleranz, die sich nicht nur in politischen Diskussionen offenbaren sollte. Lass diese Haltung deine Grundeinstellung sein.
6. Gebot: Verstehe Politik als Gestaltungsapparat.
Um Veränderungen konstruktiv anzugehen, sind Lösungsvorschläge unerlässlich. Diesbezüglich stellt der Austausch von Argumenten im Pro und Contra die Basis des politischen Diskurses überhaupt. Eine Diskussionskultur hingegen, die ausschließlich durch eine Blockadehaltung gekennzeichnet ist, vergiftet den sachgebundenen Austausch und demonstriert mangelnden Gestaltungswillen.
Nehme konstruktive Gestaltung als Kompromiss wahr! Dies gewährleistet, Positionen zu verstehen, die nicht den eigenen entsprechen und reflektiert politische Resolution als lebensbereichsübergreifende Wirklichkeit. Setze das tatsächlich Realisierte nicht mit dem Realisierbaren gleich.
7. Gebot: Entemotionalisiere Politik.
Da politische Entscheidungen unsere Lebenswelt mitbestimmen, bleiben Emotionen nicht aus. Gewissenhafte Politik vermeidet Schwarz-Weiß-Malerei sowie Hysterie und operiert mit Sachargumenten. Die Energie seriöser Politik erschafft eigene Ideen und keine permanenten Widerlegungsversuche.
Distanziere dich von Argumentationsmustern, die einzig durch das Schüren von Emotionen zu überzeugen versuchen! Lass Manipulation deiner Wahrnehmung und deines Erlebens nicht zu, nimm Abstand von extremen Positionen. Bleibe in Gesprächen sachlich und achte darauf, dass deine Darstellung keine Fakten verdreht.
8. Gebot: Fokussiere Inhalte, keine Personen.
Verantwortungsbewusste Politik akzentuiert Sachthemen und Gestaltungsmaßnahmen. Im Vordergrund steht demzufolge, was gesagt wird und nicht, wer etwas sagt. Treffende politische Maßnahmen sind damit sachgebundene und nicht jene, die das Sieb der personellen Reinheit erst erfolgreich passieren müssen.
Filtere Sachargumente heraus! Der Diskurs über Inhalte vermeidet zugleich Stigmatisierung von Personen in jeglicher Hinsicht. Sprich über ein Phänomen und niemals undifferenziert über Personengruppen wie „die Reichen“ oder „die Ausländer“, da damit Schuldzuweisung und keine Problemlösung erfolgt.
9. Gebot: Erwarte von Politik nicht, dass sie dir nur Vorteile bringt.
Freie Wahlen sind Höhepunkte der Demokratie, da jede abgegebene Stimme den Einzelwillen verkörpert. Politische Entscheidungsfindung hingegen heißt Interessenabwägung. Jede Kooperation beruht auf Kompromissschließung.
Rebelliere nicht bei jedem kleinsten Nachteil für dich! Dies könnte politische Akteure verunsichern oder ablenken, wodurch sich weitere, wichtige Entscheidungen verzögern können. Verbreite deshalb nicht gleich negative Stimmung, um andere in die Blase deiner Unzufriedenheit zu zerren.
10. Gebot: Setze Politik nicht mit Wissenschaft gleich.
Politisch Handelnde bedienen sich bestenfalls wissenschaftlichem Rat und wägen zwischen Notwendigkeit und Realisierbarem ab. Dies macht Politik zu einem Vermittler zwischen Wünschen und Umsetzbarkeit.
Akzeptiere das Spannungsfeld zwischen dem gesellschaftlich Zumutbaren und den wissenschaftlichen Fakten! Denn die kompromisslose Umsetzung wissenschaftlicher Empfehlungen käme der autoritären Realisierung von Maximalforderungen gleich, womit sich Politik ihrer Souveränität berauben würde. Nimm Politik deshalb als Gestaltungsinstanz wahr.












