Sozialwissenschaften und Profession(alität) – Bedeutung der Aktualität von Quellen

Banales und Wissenschaftliches

In einem meiner Einführungsseminare fragte einst der Professor: „Was ist das Pädagogische?“ Recht schnell wurde geäußert, dass Mütter pädagogisch handeln. Deshalb seien sie Pädagoginnen. Der Professor wollte sich nicht mit Begriffsklärungen begnügen, sondern konkrete Inhalte des Pädagogischen hören. Zahlreiche Aspekte wie ‚erziehen‘, ‚soziales Handeln‘ oder ‚geplantes Vorgehen‘ wurden recht schnell benannt. Als wesentliche Erkenntnis brachte der Diskurs hervor, dass pädagogisches Handeln stets zielgerichtet ist, der Pädagoge gezielte Lehr- und Lernarrangements schafft, Bildungsvoraussetzungen kennt und diese im institutionellen Rahmen bzw. in einem Bildungssystem umsetzt. Das macht Pädagogik zu einer Profession. Da der Begriff auf das lateinische „professio“ zurückgeht, ist einerseits der Beruf gemeint, andererseits das professionelle Handeln. Das Pädagogische ist damit Pädagogik als Profession.

Als ich vor einigen Wochen ein Gespräch in meiner Lieblingskneipe mit dem Barkeeper führte, meinte er: „Ich bin der beste Psychologe.“ Dazu erklärte er, dass er den Gästen immer zuhöre und die besten Tipps gäbe. Analog zum obigen Beispiel ist diese Aussage jedoch zu hinterfragen, da bei einem Barkeeper ohne psychologische Ausbildung keine psychologische Profession vorliegen kann. Es fehlt das Psychologische. Er kennt damit weder Inzidenzen noch Diagnostik oder Behandlungsmöglichkeiten. Zudem fehlt der institutionelle Rahmen komplett, da eine kontinuierliche Behandlung im psychologischen Setting verbindlich ist, über mehrere Sitzungen erfolgt und nicht beim Glas Bier. Psychotherapie ist folglich alles andere als ein Thekengespräch.

Eine Profession ausüben heißt demnach, die breite Theorie und viele Ansätze kennen, um eine Situation systematisch beobachten, reflektieren und bewerten zu können. Die Diagnose ist damit das kommunizierte Analyseergebnis des Einzelfalls. Bei einem Laien ist exakt das Gegenteil der Fall, denn er schlussfolgert anhand eigener Erfahrungen.

 

Irrtum auch bei Studierenden

Eigentlich sollte man meinen, dass Studierende der Pädagogik, Psychologie oder Bildungswissenschaften, auch Lehramtsstudierende – insbesondere in höheren Semestern – wüssten, was es mit dem Professionsbegriff auf sich hat. Eigentlich. Dennoch lese in Haus-, Bachelor- oder Masterarbeiten in diesen Fachbereichen oftmals obsolete Quellen, z.B. Literatur aus den 1960er-Jahren. Angereichert werden diese dann mit wenig professionellen Aussagen, sondern mit Inhalten, die Thekengesprächen gleichen. In Zoom-Meetings nachgefragt heißt es oft, die Behauptungen seien noch aktuell, es habe sich nichts geändert. Die dazu erfundenen Aussagen seien so allgemein, dass sie keinen Quellenangaben bedürften. Dies ist in den meisten Fällen jedoch Unsinn; beispielsweise wurde die Prügelstrafe in deutschen Schulen erst 1973 abgeschafft, womit mehrere Jahrzehnte alte Literatur ein Tabu für deine wissenschaftliche Arbeit sein sollte. Spätestens diese Einordnung zeigt die Differenz zur Profession(alität).

 

Primärquellen wichtig

Hinsichtlich alter Quellen solltest du, beispielsweise in einer Studienarbeit zum Thema Modelllernen, den Originaltext von Albert Banduras Bobo doll study (Rocky-Experiment) aus den 1960er-Jahren [1] bzw. eine weitere Primärquelle [2] [3] organisieren. Primärquellen sind also nicht veraltet im eigentlichen Sinn, sondern können der theoretischen Grundsteinlegung deiner Arbeit dienen. Darauf aufbauend kannst du anhand neuer Literatur die aktuelle Relevanz verdeutlichen. Nutze deshalb stets die neueste Auflage eines Buches und viele Fachzeitschriften (Journals).

 

Dicker Punktabzug bei Nutzung veralteter Quellen

Wenn du beispielsweise die Maslowsche Bedürfnispyramide von 1943 [4] beschreibst, schaffe einen Bezug zu einem aktuellen Kontext und zu deinem Untersuchungsgegenstand. So kannst du zum Thema Mitarbeitermotivation die Bedürfnishierarchie einführend darlegen. Du solltest dann jedoch zwingend aufzeigen, wo die Verbindung zu neuen Ansätzen besteht. Dies musst du erst herausarbeiten, es genügt kein Thekenwissen. Fehlt die detaillierte Darlegung dieser Verbindung, ergeht es dir wie einem Studenten, der Sex als physiologisches Grundbedürfnis in der Maslowschen Pyramide verortete und der Dozent rückfragte, ob deshalb Sex am Arbeitsplatz in Ordnung sei. Wer also obsolete Quellen ohne Einordnung übernimmt, demonstriert damit seine Unreflektiertheit und offenbart grobe Mängel in seiner wissenschaftlichen Arbeitsweise.

Zeit verändert Menschen, schafft Transformation und damit ist auch der Zeitgeist im Wandel. Nach und nach festigte sich bei mir leider der Eindruck, dass es auch Studierende der Gesellschafts- bzw. Sozialwissenschaften gibt, die exakt dies ausblenden. Kein Softwareentwickler würde Literatur aus den 1960er-Jahren nutzen und behaupten, die sei noch aktuell. Sicher wäre die Mondlandung 1969 nicht geglückt, wenn die NASA ihre Apollo-11-Rakete mit Wissen aus dem Jahr 1912 gebaut hätte. In den technischen Studiengängen ist es selbstverständlich, stets up to date zu sein.

 

Quantitative und qualitative Richtigkeit

Leider offenbart sich diese Nachlässigkeit bei manchen Studierenden der Sozialwissenschaften auch in Diskursen, in denen Grundsätzliches nicht nur hinterfragt, sondern infrage gestellt wird. Wissenschaft lebt von neuen Erkenntnissen und selbstredend gilt Literatur bzw. Wissen deshalb nach und nach als überholt. Als verwirrend wird beispielsweise wahrgenommen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse sich manchmal widersprechen oder gar revidiert werden. Beispielhaft dazu kann die Corona-Pandemie benannt werden, weil der Forschungsgegenstand relativ unerforscht war. Schutzmaßnahmen wurden stets auf der Basis neuer Befunde aus empirischen Studien hergeleitet. Die Nutzung älterer Daten aus der Zeit der Spanischen Grippe (1918-1920) war nur bedingt möglich, denn das Virus war ein anderes und die Welt noch nicht globalisiert.

Erhobene Daten lassen sich hinsichtlich ihrer Untersuchungsbedingungen miteinander vergleichen. Oft liegt qualitativ formulierten Aussagen ein quantitativer Befund zugrunde. Hier solltest du durch Einarbeitung sinnvoll hinterfragen: Dein Blick sollte stets der spezifischen Datenerhebungsmethode, den Messinstrumenten und Untersuchungsbedingungen gelten. Für deine wissenschaftliche Arbeit bedeutet dies wiederum, dass du das Studiendesign deiner verwendeten Studien skizzierst. Weitere Ansatzpunkte zur Reflexion wissenschaftlicher Aussagen finden sich damit im Setting, nämlich in der Zeit, im Ort oder im jeweiligen Untersuchungsgegenstand. Diese Einordnung verleiht Wissenschaft Mehrdimensionalität.

In rein quantitativen Kontexten entfallen damit viele Diskussionen. 2 + 3 = 5, da gibt es nichts zu diskutieren. Eben jene quantitative Führung entfällt in den Sozialwissenschaften. Hier geht es darum, dass du dir als Studierender den Bezugsrahmen selbst setzt. Basis dafür ist ein abgegrenztes Thema und eine klare Forschungsfrage. Diese Kontextualisierung sollte Basis eines jeden wissenschaftlichen Diskurses sein und stützt die Profession im Sinne einer professionellen Erörterung.

 

Ursachen und Lösung

Leider wird zu Beginn des Studiums nicht von allen Hochschulen eine Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten geleistet. Deshalb interpretiere ich diesen gelegentlich relativ lockeren Umgang mit Quellen nicht als Bequemlichkeit, sondern schlicht als Unkenntnis. Jedoch ist die Problematik nicht zu unterschätzen, da hier Grundsätze des formalen wissenschaftlichen Arbeitens in inhaltliche Mängel übergehen. Zudem werden auch Irrglauben internalisiert und oftmals wird erst bei der Durchführung einer eigenen empirischen Untersuchung deutlich, dass die Fähigkeit zur Reflexion wissenschaftlicher Aussagen und Befunde nicht hinreichend ausgeprägt erscheint.

 

Überprüfung der Quellen zugunsten der Logik deiner wissenschaftlichen Arbeit

Bist du dir unsicher, ob du die korrekten Quellen eingebunden, korrekt zitiert und logisch reflektiert hast, so bedarf dies einer detaillierten Einarbeitung und viel Fachwissen, um dir den richtigen Ratschlag erteilen zu können. Es kann mitunter kritisch werden, wenn du dazu einen anderen Studierenden befragst. Er müsste nämlich über die methodische und fachwissenschaftliche Expertise verfügen und sich intensiv in deinen aktuellen Stand einarbeiten. Erst recht kann solch ein Anliegen nicht zwischen Tür und Angel gelöst werden, denn je nach Art und Länge deiner Studienarbeit, wird diese von jenem Mangel komplett durchzogen.

Diesbezüglich hilft keine herkömmliche Nachhilfe, sondern ausschließlich eine wissenschaftliche Beratung. Mit meiner langjährigen Erfahrung unterstütze ich dich auf dem Weg zu deinem Erfolg und in einem kostenlosen Erstgespräch kannst du auch Fragen zu deinen Quellen stellen. Beispielsweise kannst du in einem Zoom-Meeting deine Arbeit einblenden. Das Problem lässt sich damit lokalisieren und ich schätze realistisch, wie viel Zeit es bedarf, dieses zu lösen. Mein Ziel ist es stets, das bestmögliche Ergebnis für dich zu erzielen. Lass also keine Zeit verstreichen, sondern kontaktier mich bei der ersten Unsicherheit.

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[1] Bandura, Albert; Ross, Dorothea & Ross, Sheila A. (1961): Transmission of aggressions through imitation of aggressive models. Journal of Abnormal and Social Psychology, 63, S. 575-582.
[2] Bandura, Albert; Ross, Dorothea & Ross, Sheila A. (1963): Imitation of film-mediated aggressive models. Journal of Abnormal and Social Psychology, 66, S. 3-11.
[3] Bandura, Albert (1965): Influence of models reinforcement contingencies on the acquisition of imitative response. Journal of Personality and Social Psychology, 1, S. 589-595.
[4] Maslow, Abraham H. (1943): A theory of human motivation. In: Psychological Review. Vol. 50 (4) S. 370-396.

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