Systematische Literaturrecherche: Effektive Strategien und Tools

Das Systematic Literature Review als Herausforderung

Neuerdings wird von Dozenten vermehrt eine Systematische Literaturrecherche (auch „Systematic Literature Review“, „Literaturreview“ oder „Übersichtsarbeit“ genannt) gefordert. Bekannt ist dieses Vorgehen ferner als „State of the Art“. Übergeordnetes Ziel ist es zumeist, den aktuellen Literaturstand zu einer Thematik zu erfassen. Hier geht es folglich nicht nur darum, dass du allgemein Fachliteratur in deiner Abschlussarbeit verwendest, diese ist Bestandteil einer jeden wissenschaftlichen Arbeit. Vielmehr musst du bei einer systematischen Literaturrecherche methodisch vorgehen, um aktuelle Literatur ausfindig zu machen. Damit legitimiert sich der Begriff „systematisch“, denn du richtest deine Vorgehensweise nach vorab festgelegten Schritten.

Demzufolge lässt sich eine Systematische Literaturreche eher dem Bereich der empirischen Untersuchung zuordnen als eine herkömmliche Literaturarbeit. Auf jeden Fall entspricht der Rechercheaufwand und der Auswahlprozess hinsichtlich der Länge mindestens dem einer empirischen Arbeit. Denn eine Systematische Literaturrecherche ist kein kleines Unterkapitel zum Einstieg in den Theorieteil. Vielmehr handelt es sich um einen großen Forschungsteil, der – je nach Zielsetzung – auch rund 50% deiner Gesamtseitenzahl einnehmen kann.

Auch wenn du keine Systematische Literaturrecherche in diesem Sinne durchführst, helfen dir die folgenden Strategien, um passende Fachliteratur für deine Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit zu finden.

 

Webster & Watson

Eine bekannte Suchsystematik ist jene nach Webster und Watson. Ziel ist die Ermittlung, wie gut ein Themenfeld bereits erforscht ist. Hältst du einen wissenschaftlichen Text in deiner Hand, tätigst du Recherchen in zwei Richtungen: Mittels Backward Search eruierst du, welche Fachtexte relevant waren, um den vorliegenden Text zu verfassen. In einer Forward Search findest du heraus, in welchen anderen Werken der vorliegende Text bereits zitiert wurde. Die so gefundenen neuen Texte sind wieder der Ausgangspunkt, um weitere Recherchen anzustellen. Auf diese Weise kannst du herausfinden, wie intensiv Fachthemen wissenschaftlich diskutiert worden sind. [1]

Suchkriterien festlegen: So findest du relevante Literatur

Eine weitere Taktik besteht darin, dass du zuerst Ein- und Ausschlusskriterien festlegst. Diese betreffen vor allem den Publikationszeitraum und die Sprachen, in denen die zu findenden Texte verfasst sein sollen. Üblich ist ein Zeitraum, der – je nach Themenfeld – fünf bis zehn Jahre zurückreicht, um wirklich den aktuellen Stand zu ermitteln. Zudem solltest du auch Fachtexte in englischer Sprache in die Recherchen einzubeziehen. Außerdem legst du die Suchorte fest, womit du konkrete Datenbanken benennst, in denen du nach jenen Fachtexten suchst. Außerdem definierst du von vornherein klare Suchbegriffe (Keywords) und entwickelst Suchstränge. [1] [2]

Durch „AND“ als Konjunktion, „OR“ als Disjunktion und „NOT“ als Negation, kannst du Suchbegriffe mittels Nutzung von Boole’schen Operatoren in der Eingabemaske konkretisieren. [3]

 

Thematische Relevanz prüfen: Der nächste Schritt in der Literaturrecherche

Es ist üblich, dass du dutzende, eventuell sogar hundert und mehr Fachtexte findest. Diese gefundenen Werke musst du nun im Hinblick auf die thematische Relevanz deiner Arbeit bzw. deines Themas, durchforsten und entsprechende Forward- und Backward-Recherchen tätigen. Das ist viel Lese-Fleißarbeit und macht deine Arbeit zu einer „Literatur-Schnitzeljagd“. Insbesondere den zeitlichen Aufwand solltest du nicht unterschätzen, denn du findest immer wieder neue Texte, die – vielleicht sogar per Fernleihe – bestellt werden müssen.

Prinzipiell hast du die Möglichkeit, die durch eine systematische Literaturrecherche gefundenen Titel in einem PRISMA-Flowchart darzustellen [4]. Dies gewährleistet, insbesondere bei umfangreichen Suchen in mehreren Datenbanken, einen Überblick über gefundene und danach aussortierte Titel.

Die zu ermittelnden Themenbereiche solltest du herausarbeiten und vermerken. Hast du dann das komplette Forschungsfeld abgecheckt, geht es im nächsten Schritt um die Erstellung einer Matrix. Hier werden die relevanten Texte untereinander gelistet, rechts daneben notierst du jene aus der Literatur ermittelten Themenbereiche. So lässt sich übersichtlich erkennen, welche Themen in einem Forschungsfeld besonders intensiv erforscht sind. [1] Insgesamt ermöglicht dir diese Matrix eine gute Übersicht, doch hier ist Vorsicht geboten. Nur weil ein Themenbereich mehrmals behandelt worden ist, sagt diese quantitative Häufigkeit nichts über die jeweilige Qualität der Quelle aus. Diese sollte inhaltlich in deiner Arbeit gesondert diskutiert werden.

 

SPIDER-Tool zum Studienvergleich

Vor allem im Bereich der Medizin und Pflegewissenschaften ist es wichtig, hinsichtlich passender Behandlungsmethoden auf dem neuesten Stand zu sein. Denn bei bestimmten Leiden gelten jene Behandlungen als erfolgsversprechend, die speziell auf den Patienten im Rahmen der evidenzbasierten Medizin zugeschnitten sind. Sinngemäß gilt dies für die Pflege, weil es um den individuellen Umgang mit dem Patienten geht. Deshalb erfordert diese Art der Problemlösung eine differenzierte Einarbeitung in aktuelle Fachliteratur – und am besten in solche, die Befunde zu Behandlungserfolgen liefert. Diesbezüglich kann dein Dozent das Auffinden von Daten aus bereits vorhandenen Studien erwarten.

Deine Aufgabe besteht dann darin, diese ermittelten Befunde im Kontext deines Forschungsthemas neu auszuwerten. Eine altbewährte Methode zur Literatursuche ist PICO (Patient/Population – Intervention – Comparison/Control – Outcome), das zu PICO+R (+ Result) erweitert bzw. um +C (+ Context) ergänzt wurde. Eine neue Methode zum systematischen Finden von Literatur bietet SPIDER. [5]

Das SPIDER-Tool wurde entwickelt, um konkrete Suchbegriffe aus einer Forschungsfrage herauszuarbeiten, damit du möglichst treffende Suchergebnisse erhältst. So erreichst du bei richtiger Anwendung das Auffinden passender Literatur. Dies macht SPIDER zu einem mächtigen Werkzeug, um aus dem Pool an Fachliteratur die richtigen Treffer zu erhalten.

In deiner Arbeit kannst du auf diese Weise Befunde aus verschiedenen Studien kombinieren, also miteinander vergleichen. Dies schafft nicht nur einen systematischen Überblick über ein Forschungsfeld, sondern gewährleistet die Ermittlung von Best Practices. Denn aus den Befunden der ermittelten Studien, kannst du konkrete Handlungsempfehlungen für das Forschungsziel deiner Arbeit begründet herleiten.

 

 

Die Zielsetzung beachten

Wie du sicher bemerkt hast, ist jede Art der Literaturrecherche auf ein Forschungsziel abgestimmt. Webster & Watson beabsichtigt, Forschungsdesiderate in einer Matrix sichtbar zu machen. SPIDER sucht nach empirischen Befunden, die du dann miteinander vergleichen kannst.

Dass du das Ziel deiner Forschung im Blick behältst und diesbezüglich die für dich geeignete Methode wählst, gilt also auch hier. Eine mangelnde Zielsetzung ist einer der Hauptgründe, um den roten Faden zu verlieren. Zögere nicht, mich bei Fragen zu kontaktieren.

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[1] Webster, Jane & Watson Richard T. (2002): Analyzing the Past to Prepare for the Future: Writing a Literature Review. In: MIS Quarterly, 26(2), S. xiii-xxiii.
[2] Petticrew, Mark & Roberts, Helen (2006): Systematic Reviews in the Social Sciences: A Practical Guide. Oxford:Blackwell. Ridley, D. (2012). The literature review: A step-by-step guide. (2. Aufl.) London: Sage.
[3] Bangia, Ramesh (2010): Boolean operator. In: Dictionary of Information Technology. Vol. 2., Motilal UK Books of India, 2010, ISBN: 978-93-8029815-3.
[4] Page, Matthew J.; McKenzie, Joanne E.; Bossuyt, Patrick M.; Boutron, Isabelle; Hoffmann, Tammy C.; Mulrow, Cynthia D.; Shamseer, Larissa; Tetzlaff, Jennifer M.; Akl, Elie A.; Brennan, Sue E.; Chou, Roger; Glanville, Julie; Grimshaw, Jeremy M.; Hróbjartsson, Asbjørn; Lalu, Manoj M.; Li, Tianjing; Loder, Elizabeth W.; Mayo‐Wilson, Evan; McDonald, Steve; McGuinness, Luke A.; Stewart, Lesley A.; Thomas, James; Tricco, Andrea C.; Welch, Vivian A.; Whiting, Penny & Moher, David (2021): The PRISMA 2020 statement: an updated guideline for reporting systematic reviews. The BMJ, n71. https://doi.org/10.1136/bmj.n71
[5] Cooke, Alison; Smith, Debbie & Booth, Andrew (2012): Beyond PICO: the SPIDER tool for qualitative evidence synthesis. Qualitative health Research (22), S. 1435-1443.

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