Zeitmanagement im Studium

Belastungen kosten Zeit

2023 übten etwa 1,9 Millionen Menschen mehr als ein Beschäftigungsverhältnis aus [1]. Du bist als Studierender besonders gefordert. Denn die meisten Studierenden gehen neben ihrem Studium mindestens einem Job nach, selbst während der Corona-Pandemie arbeiteten mehr als 50 Prozent [2].​

Acht Prozent der in Deutschland lebenden Studierenden haben eines oder mehrere Kinder [3]. Die psychischen Belastungen steigen für dich als Studierender nicht erst seit der Pandemie [4] [5].
Die meisten Studierenden beklagen, sie hätten keine Zeit, all die Studienherausforderungen zu meistern, einem Nebenjob nachzugehen oder/und noch ihren Nachwuchs zu umsorgen.

 

Geschichte des Zeitmanagements

Zeitmanagement klingt wie Abrakadabra, um sich im Simsalabim in einen gewissenhaften Studierenden, fleißig Arbeitenden und zugleich in eine Mutter bzw. einen Vater voller Fürsorge zu verzaubern. Zeitmanagement ist Selbstmanagement mit dem Ziel, möglichst produktiv zu sein. Bereits vor mehr als 2000 Jahren begründete Horaz‘ Sentenz „Carpe Diem“ [„Nutze den Tag“] als geflügeltes Wort [6] die Überlegung, seine Lebenszeit möglichst produktiv zu nutzen. Erst Mitte des 15. Jahrhunderts trat durch Leon Battista Alberti der ökonomische Gedanke der Hauswirtschaft in Privathaushalten hinzu. [7] Heute betrifft das Zeitmanagement die Planung von Abläufen in Unternehmen, aber auch im privaten Bereich. Zeit lässt sich, ähnlich wie Geld, als knappes Gut definieren. Im Folgenden erfährst du, wie du deine beruflichen bzw. studentischen und privaten Aktivitäten fokussierst und in Einklang miteinander bringst.

 

ALPEN und Eisenhower

Das wahre Zauberwort lautet Planung. Denn sämtliche Überlegungen müssen zwingend bei jedem Menschen individuell ansetzen. [8] Als wissenschaftlicher Berater im täglichen Austausch mit Studierenden, empfehle ich zur Aufgabenplanung die ALPEN-Methode [9] und insbesondere in Stresssituationen die Anwendung des Eisenhower-Prinzips [8].

Wendest du die ALPEN-Methode an, solltest du zuerst sämtliche Aufgaben notieren. Danach solltest du den Zeitbedarf, um das Anstehende zu bewältigen, realistisch einschätzen. Plane zusätzlich Pufferzeiten ein, um Unvorhergesehenes zu bewerkstelligen und dein Geplantes dennoch schaffen zu können. Treffe danach Entscheidungen, welche Aufgaben Priorität genießen. Zudem solltest du Zeit zur Nachkontrolle einplanen.

Das Eisenhower-Prinzip ist auf das sofortige Treffen von Entscheidungen ausgelegt. Dwight D. Eisenhower sagte sinngemäß dazu: „Wichtige Aufgaben dürfen niemals dringend werden.“ Dies richtet den Fokus auf deine Langzeitplanung, z.B. nach der ALPEN-Methode. Du solltest auch hier Aufgaben stets aufschreiben, um einen Überblick zu erhalten. Nur so ist eine Abwägung hinsichtlich der Wichtigkeit und Dringlichkeit möglich.

 

Wie gelingt Zeitmanagement im Studium?

Die folgenden Punkte geben dir als Studierender eine Reihenfolge, nach der du deine terminlichen Überlegungen abwägen solltest. Ziel ist die Schaffung einer soliden und zugleich flexiblen Tagesstruktur. Die gelistete Darstellung gilt für die Planung eines Semesters hinsichtlich deiner Bedarfsplanung (z.B. Studium, Nebenjob, Kind). Hier solltest du ehrlich zu dir selbst sein und eine Liste erstellen, welche Ziele du in deinem Leben erreichen willst. Diese dient dann zur Abwägung von Prioritäten. Wichtig ist, dass du zu jeder Zeit ausschließlich realistische Ziele formulierst [8].

1. Lokalisiere Fixpunkte und blocke Zeiträume

Trage wichtige Zeiten in deinen Tagesplaner ein. Laut Eisenhower-Matrix handelt es sich dabei um Aufgaben, die wichtig, aber nicht unmittelbar dringend sind. Erledige diese Aufgaben auf jeden Fall nach Plan. Insbesondere bei Nebenjobs in der Gastronomie kann es sein, dass Fixpunktfestlegungen ggf. nur rudimentär erfolgen, weil dort Flexibilität gefordert ist. Überlege dir gut, welche Tätigkeiten zu welchen Zeiten überhaupt vereinbar mit deinem Studium sind, denn zu deinem Bedarf sollte zuvorderst das Erreichen deines Studienabschlusses zählen. Alternativ kannst du dich nach einem Bürojob mit festen Arbeitszeiten oder einer Tätigkeit im Home Office etc. umsehen.
Beispiele für Fixpunkte: Präsenzveranstaltungen, Kind zum Kindergarten bringen/abholen, fester Nebenjob.

2. Erkenne Strukturen und schaffe Routinen

Du wirst bestenfalls eine Regelmäßigkeit in deinen geblockten Zeiträumen erkennen. Sorge dafür, dass du diese Zeiträume und Strukturen verinnerlichst. Kannst du diese nicht einhalten, z.B. weil dein Kind plötzlich erkrankt ist, besteht die erhöhte Gefahr, dass wichtige Aufgaben dringend werden. Dies gilt es zu vermeiden. Erkundige dich vorher, ob deine Hochschule für solche Fälle Alternativtermine anbietet (z.B. für eine Prüfung).

3. Lege eine Checkliste an

Eine Checkliste ist hilfreich, um Fixpunkte für jedes Semester zu planen. Verzichte auf handgeschriebene Zettelwirtschaft und fertige einen übersichtlichen Plan an. Hänge ihn an deine Pinnwand und behalte deine Ziele damit stets im Blick.

4. Schaffe Pufferzeiten

Das größte Chaos ist dann vorprogrammiert, wenn du keine Zeitpuffer einplanst. Schon ein kurzer Stau, ein unvorhersehbares Telefonat oder andere kleine alltägliche Dinge zerstören deine Tagesstruktur, wenn dein Terminplan zu eng gestrickt ist. Verplane nicht deine komplette Zeit, um einen Dominoeffekt zu vermeiden.

5. Löse die Gleichrangigkeit der Aufgaben

Bei durchdachter Planung wirst du feststellen, dass mehrere Aufgaben zur Erledigung anstehen. Sind diese hinsichtlich ihrer Wichtigkeit tatsächlich gleichrangig, beginne mit der komplexesten Aufgabe. Dies hat die Vorteile, dass du diese Aufgabe nicht aufschiebst, aber schon begonnen hast und dich ihr erneut widmen kannst, falls du sie nicht beendet hast. Zum anderen sammelst du Erfolgserlebnisse beim Bewältigen anderer Aufgaben. Zur Schaffung von Motivation solltest du eine besonders einfache und schnelle Aufgabe erledigen, was als Pareto-Prinzip [8] bezeichnet wird.

6. Bewältige konkrete Aufgaben

Mit der Pomodoro-Technik löst du Aufgaben in Arbeitsintervallen. Du solltest hier 25 Minuten an einer Aufgabe arbeiten, dann fünf Minuten Pause einlegen. Dies steigert die Kreativität. Beachte hierbei, dass du tatsächlich intensiv arbeitest, also nicht bei Facebook eingeloggt bist, keine WhatsApp-Nachrichten abrufst, dir nicht die neuesten TikTok-Trends anschaust usw. Schalte dein Handy stumm oder aus. [10]
Dem gegenüber stehen jedoch neueste empirische Befunde aus der Neurobiologie. Diese postulieren, dass die größte Produktivität beim Arbeiten erst im Flow-Erlebnis eintritt. Dazu bedarf es einer deutlich längeren Phase der Konzentration. [11] Überprüfe zur Steigerung deiner Effektivität deinen Lern- und Arbeitstyp.

7. Plane den nächsten Tag

Denke immer einen Tag voraus. Plane bereits am Ende des Tages den nächsten.
Halte klare Abläufe ein. Sorge dafür, dass du jede Tätigkeit intensiv und ungestört erledigen kannst, indem du Störquellen beseitigst. Bist du gerade dabei, eine Aufgabe zu erledigen, dann vermeide Multitasking, denn von allem ein bisschen ist nichts.

 

Konkrete Planung spart Zeit

Neben all diesen generellen Schritten besteht deine Aufgabe darin, insbesondere bei Haus-, Bachelor- und Masterarbeiten, dein Vorhaben konkret zu planen. Dies ist aufwendig, allerdings lohnt sich der anfängliche Einsatz. Beispielsweise ist es nie ratsam, unvorbereitet ein Dozentengespräch wahrzunehmen. Denn dein Dozent erwartet deine Ideen und möchte über Inhalte mit dir sprechen. Mindestens ein Thema, eine Fragestellung, die Bearbeitungslogik und je nach Art der Arbeit eine Datenerhebungsmethode zu einer empirischen Untersuchung sowie Basisliteratur, solltest du vorbringen.

Diese Mühe zu Beginn macht sich bezahlt, denn der komplette Bearbeitungsprozess wird dir leichter fallen. Auch damit sparst du Zeit. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass dein Dozent auf E-Mails antworten wird, wenn er weiß, dass du strukturiert arbeitest. Insgesamt zeigt sich auch hier, dass gute Planung eine zeitsparende Taktik darstellt, die du nicht unterschätzen solltest.

 

Sei dein eigener Manager

Dein Studium und grundsätzlich alles, was du sagst und tust, liegt in deiner Verantwortung. Dieses Bewusstsein ist wichtig, um „Nein“ sagen zu können. Musst du beispielsweise für eine Prüfung lernen und du spielst mit dem Gedanken, am Samstagabend feiern zu gehen, so überlege dir genau, wo du Prioritäten im Hinblick auf deine Lebensziele setzt. Herkömmliches Partymachen sollte weder wichtig noch dringend sein und ist auch so in der Eisenhower-Matrix zu verorten.

 

Strukturierung führt zu besseren Ergebnissen

Die Einhaltung des Zeitmanagements erfordert stets Disziplin. Wichtig ist dabei, dass du deine Ziele (Lebens- sowie Tagesziele) niemals aus den Augen verlierst. Vermeide Ablenkungen durch soziale Medien, schalte dein Smartphone stumm bzw. aus. Schaffe Überblick und Ordnung. Vor allem sollte dein Schreibtisch geordnet sein. Ein weiteres Ordnungssystem ist die Ordnerstruktur deines Computers, denn Dateien, z.B. wichtige PDFs, PowerPoints und Studienunterlagen, wollen schnell gefunden werden. Ist dein Desktop mit Dateien überflutet, wird mangelnde Übersicht zum Zeitfresser. Benenne heruntergeladene Dateien ggf. um und verschiebe sie direkt in den richtigen Ordner. Um Chaos zu vermeiden, lege Sicherungskopien an und verschiebe wichtige Dateien zusätzlich in eine Cloud.

Die strukturelle äußere Ordnung korreliert mit deiner inneren. Unordnung findet ihren Ursprung häufig in Ziellosigkeit und kann einen lähmenden Teufelskreis nach sich ziehen.

Positive Gedanken motivieren

Mehrmals wurde mir als wissenschaftlicher Berater von Hilfesuchenden berichtet, dass sie in Stresssituationen und ausgerechnet dann, wenn die Zeit drängt, von einer Schaffenslähmung geplagt seien. Beispielsweise wird, anstatt konstruktiv an der Bachelorarbeit zu schreiben, nach „Studienabbrecher“ usw. gegoogelt. Anstatt die Aufgabe zu lösen, wird sich in das Problem hineingesteigert. Das lähmt noch mehr. Motiviere dich damit, dass deine Biografie mit Studienabschluss auf jeden Fall besser ist, als jetzt zu versagen. Vergegenwärtige dir, dass die Mühen der Bachelor- oder Masterarbeit mit einem Studienabschluss belohnt werden und dass während der Bearbeitungszeit alle Wege offen stehen.

Bedenke zusätzlich als Vergleich: Wenn du Unkraut jätest, wirst du einen schöneren Garten sehen. Wenn du eine Stunde lernst, ist das Ergebnis optisch nicht sichtbar. Dies lässt sich im erweiterten Sinne als Intangibilität bezeichnen [12]. Vergiss daher nicht, Zeiträume und Möglichkeiten zur Überprüfung deines Wissens einzuplanen. Lerngruppen sind dazu ideal, schaffen Abwechslung und motivieren.

 

Strukturierte Unterstützung

Hat das Zeitmanagement deiner Bachelor- oder Masterarbeit nicht funktioniert, bin ich gerne dein Ansprechpartner für fachliche als auch inhaltliche Hilfe. Gemeinsam bewältigen wir die Herausforderung, um deinen Abschluss zu schaffen!

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[1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/zweitjobl.html [25.11.2024]
[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1237458/umfrage/anteil-studierender-mit-bezahlter-beschaeftigung/ [25.11.2024]
[3] https://www.studierendenwerke.de/themen/studieren-mit-familie/zahlen-fakten-und-akteure/zahlen-und-fakten [25.11.2024]
[4] https://www.fzs.de/2022/01/18/ergebnisse-wie-gehts-euch-bundesweite-studierendenbefragung-2021-22/ [25.11.2024]
[5] Schweighart, Roxana; Thätz, Jessica; Demar, Lisa; Zehl, Franziska; Neuderth, Silke & Löbmann, Rebecca. (2023): Welche Bedarfe haben Studierende hinsichtlich gesundheitsförderlicher Maßnahmen und welche sind ihnen bekannt? Eine Befragung an zwei Hochschulstandorten. Präv. Gesundheitsf. 2023 Apr 25:1–9. German. doi: 10.1007/s11553-023-01031-w. Epub ahead of print. PMCID: PMC10129312. Abrufbar unter: https://www.springermedizin.de/welche-bedarfe-haben-studierende-hinsichtlich-gesundheitsfoerder/25280708 [25.11.2024]
[6] Schmidt, Jakob F. (1776): Horaz lateinisch und deutsch mit Anmerkungen für junge Leute (Erster Theil, enthaltend das erste Buch der Oden). Gotha: Carl Wilhelm Ettinger.
[7] Alberti, Leon B. (1433): Della Famiglia. u.a. kommentiert in Saviello, Julia (2018): 10. Leon Battista Alberti: Genealogie der Schönheit (1433-1434) https://doi.org/10.11588/arthistoricum.425
[8] Knoblauch, Jörg; Wöltje, Holger; Hausner, Marcus B.; Kimmich, Martin & Lachmann, Siegfried (2023): Zeitmanagement. München: Haufe.
[9] Seiwert, Lothar (1995): Das 1×1 des Zeitmanagement. München: GU.
[10] Nöteborg, Staffan (2011): Die Pomodoro-Technik in der Praxis – der einfache Weg, mehr in kürzerer Zeit zu erledigen. Heidelberg: dpunkt.verlag.
[11] Ulrich, Martin; Keller, Johannes & Grön, Georg (2016): Neural signatures of experimentally induced flow experiences identified in a typical fMRI block design with BOLD imaging. Social Cognitive and Affective Neuroscience, 11, 496-507.
[12] Bruhn, Manfred & Meffert, Heribert (2012): Handbuch Dienstleistungsmarketing. Planung – Umsetzung – Kontrolle. Wiesbaden: Springer Gabler.

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